Sexaulerziehung in der Schule

Warum Eltern der Sexualaufklärung in der Schule zuvorkommen müssen

Wie sag ich´s meinem Kind

„Mami, wir gehen ins Kindermuseum!“ Meine Älteste war gerade in der ersten Klasse Grundschule, als sie mir freudestrahlend vom geplanten Schulausflug berichtete. Bei näherem Zuhören stellte sich heraus, dass es sich um eine Ausstellung zum Thema „Alles Familie“ handelte – sehr nett, dachte ich mir im ersten Moment. Plakate dazu hatte ich schon gesehen: ein Puppenhaus mit verschiedenen Zimmern, bewohnt von Familien unterschiedlicher Größe, Hautfarbe und Zusammensetzung. Blauäugig wie ich war, glaubte ich, alles sei in Ordnung. Zielgruppe waren ja auch Kinder ab 6 Jahre, kein Grund, sich irgendwie Gedanken zu machen, meinte ich – bis eine liebe Freundin fragte: „Schauen wir uns das gemeinsam vorher an? „Alles“ Familie? Das klingt schon mal interessant…was meinen die wohl mit „alles“?“ Ernüchtert verließen wir einige Zeit später das Museum – tatsächlich war es da so Einiges ausgestellt, das weit außerhalb unserer Erwartungshaltung war.

Es gab sehr ausführliche und gar nicht kindgerechte Berichte

Während einige Räume sehr interessante und für Kinder spannende Details zu Familien in fremden Kulturen und deren Alltag zeigten, gab es auch sehr ausführliche und gar nicht kindgerechte Berichte zu homosexuellen Beziehungen; auch über Kinderwunsch eines lesbischen Paares in diesem Fall – alles verpackt in ein Bettgeflüster der beiden Frauen! Da das Ausstellungskonzept auf Grundschulklassen ausgerichtet war, kann man annehmen, dass viele der kleinen Besucher auf diese Weise zum ersten Mal konkret mit dem Thema Sexualität konfrontiert wurden.

Was also tun? Der Kindermuseumsbesuch der Klasse meiner Tochter konnte nach einem guten Gespräch mit der Schule verhindert werden –  die Lehrerin reagierte genauso überrascht wie wir Mütter und hatte einen derartigen Erstzugang zum Thema Sexualität sicher nicht im Sinn gehabt.

Die meisten Eltern hatten ihr Kind noch gar nicht aufgeklärt

Bei einem Elternabend zeigte sich, dass die meisten Eltern ihr Kind noch gar nicht aufgeklärt hatten und daher diese Ausstellung für fast alle Kinder ein ziemlicher Schock gewesen wäre. Diesmal konnte Schlimmes verhindert werden, aber die Sache war klar: damit ist es nicht getan…

Was meinem Mann und mir durch dieses Erlebnis schlagartig klar wurde: Kinder sind mit dem Thema Sexualität konfrontiert und man kann mit Aufklärung eben nicht warten, bis die Kinder Fragen stellen, so ideal das entwicklungspsychologisch wäre. Sexualität ist in der Gesellschaft präsent, und ob wir es wollen oder nicht, wir können das Umfeld unserer Kinder nicht vollständig kontrollieren. Die Frage ist also nicht, „ob“ unsere Kinder etwas zu Liebe und Sexualität erfahren, sondern „unter welchen Umständen, von wem und in welcher Form“!

Eltern sollen den Kindern eine gute Basis vermitteln

Die Möglichkeit, die wir Eltern haben, ist den Kindern eine gute Basis zu vermitteln und ihnen das Rüstzeug für Einflüsse von außen mitzugeben. Eltern als Erstverantwortliche in der Erziehung haben das Recht und die Pflicht, ihre Kinder aufzuklären. Aufklärung bedeutet jedoch weit mehr als die Vermittlung der biologischen Vorgänge und Zusammenhänge. Ziel jeder Erziehung – so auch gerade der Sexualerziehung – ist, die Kinder für das Wahre, Gute und Schöne zu öffnen. Wir können und sollen unseren Kindern helfen, die biologischen Vorgänge in ein Wertesystem einzuordnen – unerwünschte Einflüsse zu eliminieren, wird uns dabei aber nicht immer gelingen.

Ein Kind braucht fundierte, ehrliche und altersgemäß adäquate Antworten

Aber ein Kind, das von seinen Eltern fundierte, ehrliche und altersgemäß adäquate Antworten auf seine Fragen bekommt, bekommt ein Gespür dafür, was gut und richtig ist und kann in sich ruhen, stark und sicher sein. Unsere Tochter wusste zwar, dass Babies im Bauch der Mami wachsen, der Papi daran auch beteiligt ist, aber in der falschen Meinung, es sei dafür noch zu früh, hatten wir ihr das körperliche Einssein von Mann und Frau noch nicht vollständig erklärt. Unterstützt durch ein gutes Aufklärungsbuch für Kinder („Mama, Papa und ich“) suchte ich also ganz gezielt einen passenden Moment, um in Ruhe mit ihr zu besprechen, was uns als Eltern im Bereich der Sexualerziehung wichtig erschien. Es war dann übrigens überhaupt nicht unangenehm oder peinlich, weder für sie noch für mich. Durch die ganz natürliche Vertrautheit innerhalb der Familie, wo man sich kennt und geborgen weiß, finden sich – einmal begonnen – für alles die richtigen Worte und es entwickelt sich ganz natürlich, wie man im Einzelnen vorgeht. Im einfühlsamen Gespräch miteinander kann man auch ganz konkret auf die individuellen Bedürfnisse und Fragen seines Kindes eingehen.

Eltern lieben ihre Kinder, möchten, dass sie glücklich sind, Liebe und Geborgenheit erfahren und wollen sie vor allem bewahren, was ihnen schadet. In den verschiedensten Bereichen des Lebens möchten sie ihre Kinder bestmöglich unterstützen. Ob es sich um die passende Schule handelt, bei Aktivitäten im Freundeskreis oder bei Hobbies, bei der Charakterbildung des Kindes und im Stärken seiner individuellen Fähigkeiten – Eltern scheuen keine Mühe und Anstrengung. Nur den Bereich der Sexualerziehung möchten sie oft gern ausklammern oder verpassen den richtigen Moment, so dass externe Faktorenihre Kinder stärker prägen, als ihnen lieb ist. Häufig ist der Grund vielleicht nur, dass man meint, nicht die richtigen Worte zu finden oder die Hoffnung, dass das Thema später ohnehin ausreichend in der Schule behandelt wird.

Sexualaufklärung in der Schule beinhaltet vor allem die Themen Verhütung und sexuell übertragbare Krankheiten

Zur Sexualaufklärung in der Schule muss man wissen, dass sie schwerpunktmäßig vor allem die Themen Verhütung und sexuell übertragbare Krankheiten bearbeitet. Natürlich ist Wissen in diesem Bereich wichtig, die Frage ist aber schon, was an Wissen diesbezüglich vermittelt wird: Wird etwa über Nebenwirkungen der „Pille“ gesprochen, oder über die frühabtreibende Wirkung der Pille im Fall der Nidationshemmung? Dass also mit manchen Präparaten ein bereits befruchtetes Ei, also ein Mensch ganz am Beginn seiner Entwicklung, verhindert wird? – Nur mit fundierten Informationen kann man die Dinge auch richtig bewerten. Der Zugang zur Sexualität in der Schule ist – bei aller Wissensvermittlung- oft an negative Aussagen gekoppelt: Man erfährt, wie man unerwünschte Schwangerschaften verhindern und Krankheiten vermeiden kann. Im Alltag werden Kinder durch Plakate, Fernsehen und digitale Medien mit einer Flut von Bildern und Aussagen zu Liebe und Sexualität konfrontiert. Man könnte den Eindruck bekommen, ausgelebte Sexualität sei zentraler Lebensinhalt, und der andere Mensch diesbezüglich Mittel zum Zweck. Unter Gleichaltrigen werden Kinder und Jugendliche oft via Schimpfwörtern und Sprüchen mit Sexualität konfrontiert. Dies alles sind keine optimalen Voraussetzungen, um Kindern einen wertschätzenden Zugang zum menschlichen Körper und zur Sprache der Liebe zu ermöglichen! Wir Eltern sind daher aufgefordert, den Kindern über die biologischen Vorgänge hinaus einen Blick in die Tiefe zu geben. Sie sollen Staunen lernen über das Wunder „Leben“ sowie den eigenen Körper, und gleichzeitig den anderen Menschen Respekt und Achtung entgegenbringen. Sexualität ist ein Geschenk, mit dem man verantwortungsvoll umgehen lernen muss, sie ist die personale Ausdrucksform jener Liebe, die sich ganz an den anderen verschenkt, und die durch diese Hingabe Quelle höchsten Glücks sein kann.

Kinder sollen erfahren dürfen, dass sie einzigartig, geliebt und respektiert sind – und dass es sie gibt, weil auch ihre Eltern sich in Liebe begegnet sind.

Quelle: Tagespost Ausgabe 1/2018,

 

Elisabeth Födermayr

Elisabeth Födermayr

Verheiratet seit 2003, vier Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren, Juristin, lebt in Wien.
Elisabeth Födermayr

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