verschiedene Verhütungsmethoden

Vor- und Nachteile einzelner Verhütungsmethoden und zusätzliche Hinweise

Natürliche Verhütungsmethoden – die Sprache des Körpers kennen und danach handeln

Bei natürlichen Methoden gibt es keine mechanischen Barrieren für die Spermien und keine hormonelle Beeinflussung der Frau. Sofern die Beobachtung des weiblichen Zyklus im Vordergrund steht, können solche Methoden nicht nur als Verhütung, sondern auch bei Kinderwunsch eingesetzt werden, sofern man an den fruchtbaren Tagen der Frau Geschlechtsverkehr hat.

Solche Methoden setzen allerdings eine sehr gute Kenntnis des eigenen Zyklus voraus und die Bereitschaft des Partners, darauf Rücksicht zu nehmen. Will man in der fruchtbaren Zeit der Frau miteinander schlafen, kann das Kondom verwendet werden. Der Einsatz hormoneller Präparate würde den Zyklus derart beeinflussen, dass die Anwendung natürlicher Methoden im Anschluss zunächst nicht ratsam wäre.

Mechanische Verhütungsmethoden – eine Barriere wird gesetzt

Bei mechanischen Methoden wird die Befruchtung der Eizelle durch ein Spermium mittels einer Barriere unterbunden. Zur Erhöhung der Sicherheit können in einigen Fällen zusätzlich Spermizide (chemische Stoffe, die Spermien abtöten) aufgetragen werden. Manche Spermizide scheinen allerdings allergische Reaktionen hervorzurufen und bei Kondomen die Durchlässigkeit z. B. für HIV zu erhöhen. Generell schützen allein Kondom und Femidom (eine Art Kondom für die Frau, das in die Scheide eingeführt wird) in hohem Maße vor Geschlechtskrankheiten. Keine andere Verhütungsmethode hilft gegen die Infektion mit Bakterien, Viren oder Pilzen, auch wenn dieser Irrglaube bei Manchen nach wie vor anzutreffen ist!

Hormonelle Verhütungsmethoden – der Eingriff in den Hormonhaushalt der Frau hat auch starke Nebenwirkungen

Bei hormonellen Methoden wird der Hormonhaushalt der Frau beeinflusst. Das geschieht entweder durch Einnahme von künstlichem Progesteron, was die Reifung eines Follikels und der darin enthaltenen Eizelle verhindert. Alternativ wird der Eisprung durch die Einnahme von künstlichem Östrogen unterbunden. Manche Anti-Baby-Pillen enthalten beide Substanzen. Der Gedanke dahinter ist, dass die Spermien beim Geschlechtsverkehr nicht auf eine befruchtungsfähige Eizelle treffen können.

Allerdings kann es trotz hormoneller Verhütung in seltenen Fällen zu Eireifung und Eisprung kommen. Daher enthalten einige Präparate so genannte Zervikalfaktoren (Zervix = Gebärmutterhals). Sie bewirken, dass der Zervixschleim dickflüssig bleibt. Dadurch gelangen die Spermien schwerer in die Gebärmutter. Endometriumsfaktoren (Endometrium = Gebärmutterschleimhaut) und Nidations-Hemmer (Nidation = Einnistung) verhindern einen normalen Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und eine Einnistung der Blastozyste.

Diese besteht aus einigen wenigen Zellen, aus denen später der Embryo wird, und einer Hülle aus weiteren Zellen, die bei der Einnistung mit der Gebärmutterschleimhaut verwächst. Außerdem gibt es Stoffe, die verhindern, dass die befruchtete Eizelle im Eileiter ernährt und in Richtung Gebärmutter transportiert wird.

Alle Präparate, die über die Verhinderung von Eizellreifung und Eisprung hinausgehen, können somit ein Abtöten des Embryos zur Folge haben und damit letztlich zu einer Abtreibung führen. Die Einnahme künstlicher Hormone kann im Körper der Frau zudem verschiedene Nebenwirkungen hervorrufen, etwa eine Verminderung der sexuellen Lust, Depressionen, Migräne, ein gesteigertes Risiko von Thrombosen (Blutgerinnsel) und von Brustkrebs. Auch wird der Bedarf an Folsäure, B-Vitaminen und Vitamin C erhöht, und es kommt zu einer geringeren Aufnahme von Zink und Magnesium. Schließlich setzt die Regelblutung selbst nach Absetzen bei einigen Frauen erst nach längerer Zeit wieder ein, und der Zyklus kann unregelmäßiger werden.

Chemische Verhütungsmethoden – Beeinträchtigung der Spermien 

Chemische Methoden (Spermizide) sind allenfalls in Kombination mit anderen Methoden einzusetzen und auch dann nur, wenn sie die Sicherheit dieser anderen Methode nicht beeinträchtigen. Spermizide töten Spermien ab oder senken zumindest deren Beweglichkeit, so dass sie die Eizellen nicht erreichen können. Zuweilen kann der Körper auf Spermizide allergisch reagieren.

Operative Verhütungsmethoden

Letztlich gibt es noch operative Methoden der Empfängnisverhütung. Das sind dauerhafte Eingriffe, wie die Durchtrennung der Eileiter (Frau) bzw. Samenleiter (Mann). Dieser Schritt ist meist unwiderruflich und sollte daher gut bedacht sein.

Die Verhütungssicherheit einer Methode wird mit dem Pearl-Index (PI) angegeben. Er besagt, wie viele von 100 Frauen mit aktivem Sexualleben trotz Verhütung mit einer bestimmten Methode im Laufe eines Jahres schwanger werden. Dabei gibt die erste Zahl in der Tabelle die Sicherheit der Methode bei korrekter Anwendung an, die zweite die tatsächlich beobachtete aufgrund von Fehlern in Anwendung oder Material, etwa der unregelmäßigen Einnahme der Anti-Baby-Pille oder des falschen Gebrauchs von Kondomen. Je geringer der PI ist, desto höher ist die Sicherheit der Methode.

Uwe Simon

Der Autor ist Professor für Fachdidaktik Biologie an der Universität Graz und unterrichtet dort u.a. Sexualpädagogik. Er ist zudem Schulbuchautor. Das hier diskutierte Thema wird intensiv im neuen Buch „am Puls Biologie 6“ (zehnte Schulstufe) besprochen, wo sich viele der in diesen Artikel einfließenden Informationen finden.

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