Väter und Kinder

Viel Zeit und viel Nähe – Jetzt ist Hochsaison für gute Gespräche zwischen Eltern und Kind

Ganz gern drückt man sich vor unangenehmen Gesprächen. Es fällt leichter, Belanglosigkeiten und Nichtigkeiten des Alltags zu besprechen, als wirklich in die Tiefe zu gehen. Smalltalk ist angesagt, nicht nur in der Gesellschaft, sondern oft auch in der Familie.

Plötzlich ändern sich die Umstände und man verbringt mehr Zeit miteinander, als einem lieb ist. Sei es durch eine Krankheit, sei es durch eine veränderte Familiensituation, sei es durch eine Umweltkatastrophe. Oder sei es durch ein Virus, das alle in die eigenen vier Wände verbannt, so wie wir es derzeit erleben.

Väter, die sonst morgens das Haus verlassen, um erst abends zurückzukehren, lernen den Alltag in der Familie von ganz neuer Seite kennen: mittendrin statt nur dabei heißt die Devise!

 

Jetzt ist die Zeit, in Beziehung zu investieren

Jetzt besteht die Chance, Beziehungen zu stärken, gerade die für Väter zu den eigenen Söhnen.

Für manche Männer ist es nicht zu einfach, von sich aus die Außenwelt an sich heranzulassen. Doch das ist die Grundvoraussetzung für ein gutes Gespräch. Hier geht es um Themen, die uns wirklich am Herzen liegen. Es kostet Überwindung und Kraft, sich zu öffnen und viele Männer haben es von ihren eigenen Vätern nicht gelernt, wie man über seine eignen Gefühle spricht. Für manche Männer scheint es sogar tabu, ihnen wurde es früh aberzogen, Gefühle zu thematisieren. Ohne eigene Erfahrungen ist es dann verständlicherweise schwieriger, mit dem Sohn ins Gespräch zu kommen, in dem es nicht nur um Fakten und Fußball, sondern auch um Emotionen geht.

Die gute Nachricht: diese Sprachlosigkeit lässt sich durchbrechen!

Männer können ihren Kindern eine ganz andere Sichtweise auf die Welt und ihre Umstände bieten. Eine Sicht, die den mütterlichen Blickwinkel ergänzt. So wie erst zwei Augen dreidimensionales Sehen möglich machen, ist eine Erziehung ohne den Beitrag des Vaters, ohne sein Einbringen nicht vollständig. Das gilt gerade auch im Hinblick auf die Sexualerziehung, wo Väter ihren Söhnen in vielerlei Hinsicht Spiegelbild sind.

 

Tipps zum Start für ein Gespräch:

  • Lassen Sie Ihr Kind an sich heran: Erzählen Sie von sich selbst, von Erlebnissen in der Jugend. Vielleicht gibt es Anekdoten aus ihrem Leben, über die sie gemeinsam mit ihrem Sohn lachen können?
  • Nehmen Sie sich auch in der Pubertät Ihres Sohnes genügend Zeit für ihn, aber ohne sich dabei aufzudrängen.
  • Gerade in der Pubertät braucht Ihr Sohn das Gefühl, wichtig zu sein und ernst genommen zu werden. Kritik ist kontraproduktiv, denn viele Kinder neigen in dieser Zeit zu vermindertem Selbstvertrauen. Helfen Sie dem Jugendlichen, selbst zu reflektieren und eigne Lösungswege zu finden. Das stärkt das Selbstvertrauen.
  • Lassen Sie Ihrem Sohn Zeit: Oft braucht er eine Weile, bis Ihr Sohn angesprochene Themen besprechen möchte oder kann. Finden Sie das richtige Maß zwischen echtem Interesse und übergriffigem Nachfragen.
  • Sie möchten Ihrem Kind selbstverständlich Werte vermitteln, die Ihnen selbst wichtig sind und von denen Sie überzeugt sind: pädagogischen Einrichtungen setzen Eltern manchmal unter einen gewissen Zugzwang, wenn sie von den eigenen Vorstellungen abweichen. Besprechen Sie daher schulische Inhalte und lassen Sie Ihren Sohn kritisch über verschiedene Ansichten nachdenken. Es geht darum, Eigenverantwortung zu lernen, autonom denken einzuüben. Und nicht darum, fremde Ansichten zu kopieren.
  • Den richtigen Zeitpunkt für ein Gespräch finden: passende Gelegenheiten ergeben sich oft unerwartet. Das kann eine Werbung von Kondomen im Fernseher sein oder ein AIDS-Plakat, an dem man beim Spaziergang vorbeikommt. Hier lässt sich anknüpfen.
  • Bei Gesprächen über Aufklärung und Sex beachten: Es sind keine unnötigen, übertrieben genauen Details erforderlich, sondern altersgemäße sachliche Information in liebevoller Atmosphäre. Im Eifer nicht vergessen: Es gibt auch ein Zuviel!
  • Es geht nicht darum, alles perfekt zu machen: Signalisieren Sie ihrem Sohn, dass Sie jederzeit für Sorgen, Nöten, Ängsten und Fragen da sind. Nicht nur bei Fragen zum Thema Sexualität. Der größte Gewinn ist, wenn Ihr Sohn das Gefühl hat, einen vertrauenswürdigen Ansprechpartner in Ihnen zu haben!
  • Und nicht zuletzt: Verbringen Sie ausreichend viel Zeit mit Ihrem Sohn. Mehr als nur ein kurzes Gespräch zwischen Tür und Angel, sondern echte Zeit miteinander. Nur dann können Gespräche entstehen, die wirklich etwas bringen.
Elisabeth Födermayr