Aufklärung

Stark Selbstbewusst Aufgeklärt

So kann Sexualerziehung gelingen

„Mama“, meint der Dreijährige, „als ich auf die Welt gekommen bin, bist du da geplatzt?“

„Nein, da platzt man nicht!“, antwortet die Mutter überrascht. Da folgert der Kleine:„Dann kommen die Babys beim Mund heraus!“ Fragen über Sexualität stellen Kinder sehr früh. Die eigenen Eltern sind die ersten, die dem Kind Schritt für Schritt – dem jeweiligem Alter angepasst – das Geheimnis der menschlichen Sexualität erklären. Sie sind der prägendste Faktor im Leben des Kindes. Dabei ist Sexualerziehung bei weitem mehr als reine Aufklärung. Sie beinhaltet, das Kind stark zu machen! Ihm zu helfen, die eignen Identität als Mann oder Frau voller Freude zu bejahen und über das Wunder neuen Lebens zu staunen. Der Weg führt auch über die Vermittlung biologischen Wissens. Sexualerziehung kommt ohne sachliche und nüchterne Aufklärung nicht aus.

Sprechen ist natürlich

Fragen rund um den Unterschied von Mann und Frau und die Entstehung eines neuen Menschen interessieren jedes Kind zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr – wenn in der Umgebung ein Baby geboren wird schon früher. Wo ist das Baby? Wie kommt es aus dem Bauch heraus? Wie kommt es in den Bauch hinein? Viele Kinder stellen diese Fragen. Andere nicht, sie suchen aber trotzdem nach Antworten.

Die Dinge aus der Sicht des Kindes sehen

Das Kind betrachtet das Thema auf einer rein biologischen Ebene. Genauso wie es wissen möchte, warum die Sonne untergeht und warum das grüne Blatt im Herbst rot wird, will es auch wissen, woher die Babys kommen. Für Ihr Kind ist das einfach ein Thema mehr. Eltern können auf solche Fragen schlichte, und sachliche Antworten geben.

Das Frage-Antwort-Spiel

In der Praxis entwickelt sich oft ein Frage-Antwort-Spiel. Das Kind stellt eine Frage:

„Kommt das Baby beim Mund heraus?“

Der Erwachsene gibt eine klare und direkte Antwort: „Nein, das Baby kommt nicht beim Mund heraus. Dafür gibt es einen eigenen Ausgang zwischen den Beinen der Frau.“ Das Kind überlegt einige Minuten oder Stunden oder Tage und stellt die nächste Frage:

„Und wie kommt das Baby in den Bauch hinein?“

Diese Frage ist unvermeidbar. Bleiben Sie bei der Wahrheit: Das Baby kommt nicht in den Bauch hinein. Es entsteht im Bauch der Mutter, wenn eine Samenzelle des Vaters mit einer Eizelle der Mutter verschmilzt. Dann entsteht ein neuer Mensch!

Wann, wenn nicht wir?

Das Sprechen über Sexualität in der Familie ist natürlich. Darüber zu schweigen ist unnatürlich!

Beginnen Sie möglichst früh. Nicht erst, wenn das Kind Fragen stellt, sondern wenn es zu verstehen beginnt. Lieber ein Jahr zu früh als eine Sekunde zu spät! Auf jeden Fall, bevor Sie Ihr Kind einer außerhäuslichen Betreuung anvertrauen.

Falls Ihr Kind bereits neun Jahre alt ist und Sie mit ihm noch nicht über dieses Thema gesprochen haben: Beginnen Sie noch heute! Je länger Sie damit warten, umso schwieriger und peinlicher wird es.

Wissen macht stark

Wissen macht Kinder stark und selbstbewusst. Es bewirkt keine Frühsexualisierung, ganz im Gegenteil. Werden die Fragen des Kindes beantwortet, so gewinnt es dadurch Ruhe und Sicherheit. Es kann sich nun anderen Interessen und neuen Fragen zuwenden.

Wenn nicht Sie ihre Kinder aufklären, werden es andere tun

Verzichten wir Eltern auf die Aufklärung unserer Kinder, machen es andere.

„Der Triumph des Bösen besteht darin, dass die Guten nichts tun.“

Diesen drastischen Ausspruch von Pius XII bezog Irmgard Hagspiel auf die mangelnde Aufklärung in den Familien.

Schönheit der Sprache

Wie beginnt man mit der Aufklärung? In Wirklichkeit sind Sie mitten drin! Zum Beispiel dadurch, wie Sie in der Familie die Geschlechtsorgane bezeichnen. Es heißt ‚Sprache zeigt Gesinnung‘. Angelehnt daran könnte man auch sagen ‚Sprache prägt Gesinnung‘.

Es hat sich bewährt, auch in der Familie die Geschlechtsorgane bei ihrem korrekten Namen zu nennen. Sprechen Sie vom Penis, von der Vorhaut, der Eichel, den Hoden, dem Hodensack, den Schamlippen, der Scheide, der Gebärmutter, den Eileitern, den Eierstöcken und den Brüsten. Das kann so leicht und natürlich im Alltag angewandt werden: „Wo brennt oder juckt es denn genau? Bei den Schamlippen oder beim After?“, „Du solltest versuchen, deine Vorhaut etwas zurück zu ziehen. Dann kannst du dich auch dort besser reinigen.“…

Die Schönheit und Sachlichkeit der Sprache vermittelt Kindern indirekt immer wieder die Schönheit der Geschlechtlichkeit. Wie schön, Frau oder Mann zu sein!

Aufklärung festigt Freundschaft

Und je klarer und früher Ihre Kinder das von Ihnen lernen, umso mehr Vertrauen, Respekt, Dankbarkeit und Achtung bringen sie Ihnen entgegen. Das ist eine feste Basis. Sie legen Sie bereits jetzt bei Ihrem vierjährigen Sohn und sie hält in der Pubertät und darüber hinaus. Sie ist die Grundlage für viele weitere Gespräche – gerade über Sexualität.

Wissen unterstützt Werte

In der Pubertät wird die moralische Dimension immer wichtiger. Dann geht es um Liebe. Haben Sie zu diesem Thema Vorstellungen, die über den momentanen Zeitgeist hinaus gehen, sind Sie gefordert. Denn Ihre Kinder werden Ihre Ansichten auseinanderpflücken und in Frage stellen – aus ehrlichem Interesse! Das ist aufregend! Aber es ist auch anstrengend und kann weh tun. Umso wichtiger ist es für Eltern, echte Überzeugungen zu haben. Und wir brauchen Wissen, um argumentieren zu können – ‚ethisches‘ und biologisches. Dieses Wissen ist wichtig, um unseren Kindern die eigenen Werte gut erklären zu können.

Kinder impfen

Sexualität ist das Thema Nummer 1 in unserer Gesellschaft. In der Werbung, am Pausenhof, im Fernsehen, im Internet… in kleinen Dosen, aber beinahe ununterbrochen werden Kinder damit konfrontiert. Oft in einer Weise, in der Sexualität von der Person und deren Einzigartigkeit getrennt wird – und fast immer in einer Weise, die für das Alter der Kinder verfrüht ist.

Dagegen kann man Kinder ‚impfen‘, ebenfalls in kleinen Dosen, aber häufig. Das können nur wir Eltern tun. Sie verbringen viel Zeit mit ihren Kindern und können immer wieder die Schönheit und Besonderheit der menschlichen Sexualität thematisieren. Kein Aufklärungsprogramm von außen kann das leisten.

Wer, wenn nicht wir?

Und selbst, wenn Sie Aufklärungsprogramme finden, mit denen Sie zufrieden sind – diese können Ihre Erziehung nur unterstützen. Die Aufgabe bleibt letztlich immer bei Ihnen selbst hängen. Ihr eigenes Leben, Ihre Sprache, Ihre Partnerschaft… prägen die Sicht Ihres Kindes von Liebe und Sexualität am stärksten.Ist die Liebe tatsächlich schön? Schau auf deine Eltern!

Das ist doch wunderbar!

Ganz nebenbei geben wir unserm Kind Tag für Tag jene Maßstäbe mit, die uns selbst wichtig sind. Einfach dadurch, wer wir sind und wie wir leben. Doch darüber hinaus müssen wir mit dem Kind sprechen! Niemand sonst kann unser Kind so stark beeinflussen, niemand sonst verbringt so viel Zeit mit ihm, niemand sonst liebt es so sehr. Vor allem: Auch unser Kind liebt uns über alles und hat unbegrenztes Vertrauen in uns! Den größten Einfluss auf unser Kind haben noch immer wir Eltern.

VORTRAG

Stark.Selbstbewusst.Aufgeklärt

Sexualerziehung – Vom Kleinkindalter bis in die Vorpubertät

05. November 2018 | 18.30 Uhr | Institut für Ehe und Familie, Spiegelgasse 3/Mezzanin, 1010 Wien

Stark Selbstbewusst Aufgeklärt

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Sexualerziehung vom Kleinkindalter bis in die Vorpubertät

Maria und Richard Büchsenmeister

Fragen über Sexualität stellen Kinder oft sehr früh. Aber auch jene, die diese nicht offen artikulieren, sind auf der Suche nach Antworten. Wenn nicht Sie diese Antworten geben, werden es andere tun…

Quelle: ehefamiliebuch.at

110 Seiten / Einband mit Klappen / 13 x 21 cm

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Richard Büchsenmeister

Richard Büchsenmeister

Buchautor, Familientrainer, angestellt am Referat für Ehe und Familie der Erzdiözese Salzburg, verantwortlich für den Fachbereich Ehevorbereitung. Verheiratet seit 1992, 12 Kinder
Richard Büchsenmeister

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