Personsein

Das Personsein des Menschen und seine Sexualität

Religionsstunde, 6. Klasse Gymnasium vor vielen Jahren… Ich betrete die Klasse, wo ich vorangegangene Stunde über den Unterschied von Mensch und Tier gesprochen habe. An der Tafel steht groß ein Satz: „Tiere haben eine Würde. Die Frau Prof. hasst Tiere.“

 Betretenes Schweigen… Unsicherheit… Meine erste Erfahrung mit dieser Problematik, weitere folgen.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der das traditionelle christliche Gottes- und Menschenbild nicht mehr selbstverständlich sind. Der Unterschied zwischen Mensch als Person und Tier ist für viele nicht mehr klar ersichtlich. Wir, und damit ganz besonders unsere Kinder, leben in einer Welt, in der der Mensch auf unterschiedlichste Weise definiert wird: als Produkt der Evolution, als höher entwickeltes Tier, als technisches Wesen etc. 

Der Mensch hat eine Würde, weil er Person ist

Tatsächlich aber unterschiedet sich der Mensch ganz wesentlich von den Tieren: Der Mensch hat eine Würde, weil er eine Person ist, eine Person mit Geist, Seele und Leib. Der Mensch ist ausgestattet mit Freiheit, Vernunft und der Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, was in seinem Gewissen zum Ausdruck kommt. Daraus ergibt sich, dass dem Menschen auch eine Verantwortung für sein Tun zukommt. Darüber hinaus hat der Mensch eine Würde, weil er – christlich gesehen – nach Gottes Ebenbild geschaffen ist und ihm deshalb eine einzigartige Stellung in der Schöpfung zukommt. Jeder Mensch ist ein einzigartiges Individuum; gleichzeitig aber ist der Mensch ein soziales Wesen, das erst in der Gemeinschaft mit anderen zu seiner vollen Entfaltung kommt

Die Frage nach dem Menschen, besonders nach seinem Personsein, scheint mir daher sehr fundamental zu sein. Alle Fragen, die Ehe und Sexualität, die gesamte Genderfrage, aber auch Abtreibung und Euthanasie betreffen, hängen daran.

Der Mensch ist Herr über seine Sexualität und nicht umgekehrt

Ganz besonders in der Frage der Sexualität wird deutlich, dass der Mensch anders ist als die Tiere. Menschliche Sexualität ist eben nicht nur rein triebgesteuert; sie unterliegt bewussten Entscheidungsprozessen. Menschliche Sexualität ist eingebettet in die menschliche Person, das bedeutet: der Mensch ist Herr über seine Sexualität und nicht umgekehrt. 

Menschliche Sexualität ist eine Begegnung von zwei Personen mit Geist, Seele und Leib, die sich in Liebe einander schenken. Während tierische Sexualität zumeist an bestimmte Fortpflanzungsperioden gebunden ist und daher auch meistens zu einer Befruchtung führt, dient menschliche Sexualität nicht nur rein der Fortpflanzung, sondern gleichermaßen der liebenden Bindung und Hingabe der Partner. Der Mensch kann Lust empfinden; Sex ist für ihn ein schönes Ereignis – ein Ausdruck der Liebe zweier Personen, die sich frei, treu, bedingungslos und lebensspendend füreinander entschieden haben. Menschliche Sexualität ist eine Begegnung auf leiblicher, seelischer und geistiger Ebene.

Sexualität des Menschen ist immer auf ein Du bezogen

Die Sexualität des Menschen ist immer auf ein Du bezogen, nicht auf sich selbst. Das Besondere an der menschlichen Sexualität ist, dass der Mensch einen anderen in Freiheit und um seiner selbst willen lieben kann. Viele Kinder und Jugendliche werden antworten: „Ja, aber Tiere können doch auch lieben!“ Meiner Erfahrung nach ist das Folgende ein guter Anknüpfungspunkt: Können Tiere bewusst Böses tun? Nein! Können Tiere bewusst lieben? Tiere können eine starke Zuneigung zeigen, also „gefühlsmäßig“ lieben, aber sie können nicht mit einer menschlichen geistigen Liebe lieben: einer Liebe, die sich aus freiem Willen dem anderen schenkt, die den anderen um seiner selbst willen liebt, das Gute für den anderen will und die im äußersten bereit ist, sogar das eigene Leben hinzugeben für den anderen.

Auch mit jüngeren Kindern lassen sich diese Themen schon sehr gut im Alltag diskutieren. Vor kurzem wollten meine beiden Kinder, dass ich ihnen helfe, sie mit Sonnenmilch einzucremen. Eines von beiden hat mir lautstark vor dem Gesicht artikuliert, dass es unbedingt zuerst drankommen will. Darauf habe ich den Kindern die Frage gestellt: „Wisst ihr, was ein Unterschied zwischen Mensch und Tier ist? Eine Vogelmama versorgt zuerst das Kind, das am lautesten schreit; ich aber helfe jetzt zuerst dem Kind, das sich nicht in den Vordergrund drängt!“ Es folgte ein gutes Gespräch über das Wesen des Menschen.

Der Mensch ist aufgefordert, im Guten zu wachsen

Der Mensch ist eben nicht nur trieb- und instinktgesteuert; er kann als Person lernen, sich – in dieser Situation – zurückzunehmen und er ist aufgefordert, im Guten zu wachsen und sein Menschsein in der Gemeinschaft und Rücksichtnahme mit den anderen zu verwirklichen. 

Stärken wir unsere Kinder und Jugendlichen dahingehend. Fordern wir sie heraus über ihr Personsein und ganz besonders auch in Bezug auf unsere menschliche Sexualität nachzudenken.  Nur, wem klar ist, wer der Mensch wirklich ist, der wird auch Klarheit in einem verantworteten Umgang mit seiner Sexualität bekommen.

Tiere haben natürlich einen Wert und wir Menschen haben die Aufgabe die ganze Schöpfung zu bewahren – aber: wir sind keine Tiere, sondern Wesen mit Geist, Seele und Leib, letztlich dazu berufen, glücklich zu werden, indem wir uns in Liebe an jemand anderen verschenken.

Birgit Fürst

Birgit Fürst

verheiratet seit 2001, 2 Kinder im Alter von 8 und 11 Jahren, Religionslehrerin in einer Wiener AHS ebenso wie ihr Mann Thomas Fürst
Birgit Fürst

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