Einfach mal anklicken!?

Rezension: Einfach mal anklicken!?

Thomas hat eine Einladung bekommen, sich im Internet ein paar seltsame Filme anzuschauen. Soll er mitmachen beim Chat mit seinen coolen Klassenkameraden? Thomas muss eine wichtige Entscheidung treffen…

Pornografie ist niemals zuvor so zugänglich gewesen wie heute – besonders für Minderjährige. Alle, die ein Smartphone besitzen, haben damit problemlos allzeit verfügbares Filmmaterial in der Tasche. Die aktuelle Situation der Pandemie verstärkt dieses Problem noch: viele Schüler sind im Distance Learning auf digitalen Unterricht angewiesen. In Familien, die sich ein Jahr zuvor noch gegen Internet im Kinderzimmer gewehrt haben, erlebten, dass nun für die Schule Computer zur Verfügung stehen sollten, die oft unkontrollierten Zugang ins Netz gewähren können.

„Einfach mal anklicken!?“ sieht sich als Hilfestellung wie man mit Kindern über das Thema Internetpornografie ins Gespräch kommen kann. Es besteht aus zwei Teilen. Nach einem Vorwort enthält es zuerst eine illustrierte Geschichte für Kinder, danach einen Erklärungsteil für ihre Eltern oder andere Erziehungsberechtigte. Der Autor Chris Duwe, selbst Vater von vier Kindern, empfiehlt, sich als Erwachsener zuerst hinten im Buch zu informieren, bevor man die Geschichte mit Kindern liest und zum Anlass nimmt, mit ihnen über das Thema zu reden.

„Einfach mal anklicken!?“ richtet sich an die Kinder selbst, will sie rechtzeitig darauf vorbereiten, im Umgang mit diesem schwierigen Thema gute Entscheidungen treffen zu können, ohne das gesunde Interesse an der Sexualität zu verurteilen.

Am Ende des Buches finden Erwachsene unter dem Abschnitt «Liebe Mama, lieber Papa, liebe Erziehungsberechtigte!» Hinweise, wie sie ihre Kinder beschützen und für Begegnung mit der Internet-Pornografie wappnen können. Diese Erklärungen sind übersichtlich gehalten. In jeweils einem Abschnitt wird ein Kerngedanke kurz und in einfacher Sprache dargestellt. Erziehungsberechtigte werden mit den wichtigsten Fakten zum Thema vertraut gemacht und erhalten außerdem einen Einblick in die Geschichte von und Forschung zu Pornografie. Einige konkrete Links verweisen auf Internetseiten oder Tools, die das Surfen kindersicherer machen oder auch Erwachsenen bei eigener Pornografiesucht helfen können. Dabei betrachten die Autoren den Pornografiekonsum aus christlicher Sicht und stellen ihm entgegen, wie Gott sich Sexualität eigentlich vorgestellt hat. Am Ende rundet ein Leitfaden, wie ein Gespräch oder Rollenspiel mit dem Kind aussehen könnte, den Erklärungsteil ab.

Die illustrierte Geschichte selbst hat eine realistische Handlung, stellt den Idealfall dar, wie Eltern und Kindern bei Kontakt mit Internetpornografie reagieren. In der Geschichte kommen eigentlich nur Jungs vor, daher fühlen sich Mädchen vielleicht nicht direkt angesprochen – was schade ist, da nicht ausschließlich das männliche Geschlecht mit Pornografie und ihren Folgen konfrontiert ist. Das könnte man mit den eigenen Töchtern eventuell thematisieren.

Die Originalausgabe des Buches entstand in Norwegen, daher beziehen sich einige Informationen trotz Mitarbeit deutscher Co-Autoren nur auf die Situation in Norwegen oder in den USA. Doch das schadet der Intention des Buches nicht: man kann mit Kindern über das Thema ins Gespräch kommen und gute Werte in ihnen fördern.

Elisabeth Födermayr