Pornografiekonsum bei Jugendlichen

Pornografiekonsum bei Jugendlichen – Sexuelle Gewalt steigt

Ein Interview mit Tabea Freitag auf safersurfing.org am 24. Juni 2021
Mit freundlicher Genehmigung von safersurfing

Während des Lockdowns hat der Pornografiekonsum unter Minderjährigen massiv zugenommen. Parallel dazu kam es auch vermehrt zu sexuellen Übergriffen im Netz, zu Hause sowie in Beziehungen. Psychologin Tabea Freitag warnt vor Verharmlosung des Problems.

Pornografiekonsum Risikofaktor für sexuelle Gewalt

Ein früher Konsum von Pornografie ist mittlerweile der größte Risikofaktor für sexuelle Gewalt. Mehr als 20% der männlichen Jugendlichen konsumieren täglich Pornografie und sind dreimal so häufig Täter von sexuellem Missbrauch wie jene, die seltener Pornos schauen. Außerdem konsumieren sie sechsmal so häufig Kinderpornografie.

Straftaten wie Kinderpornografie und Cybergrooming nehmen seit Jahren zu. Die Täter werden immer jünger: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die dementsprechende Missbrauchsabbildungen erwerben, besitzen, weiterverbreiteten oder herstellen hat sich in Deutschland seit 2018 mehr als verfünffacht. Mittlerweile ist der Anteil junger Tatverdächtiger unter 21 Jahren, die Kinderpornografie „herstellen“, höher als bei älteren Tatverdächtigen.

Sexuelle Grenzverletzungen werden normal

Studien belegen: Sexuelle Gewalt, ein negatives Frauenbild, gravierende Beziehungsstörungen sowie eine zwanghafte, fast ständige Beschäftigung mit sexuellen Fantasien oder Impulsen, sind Folgen eines häufigen Pornografiekonsums. Freitag warnt:

Seit ca. 15. Jahren werde ich mit zahlreichen Fällen von sexuellem Missbrauch konfrontiert, bei denen Kinder und Jugendliche an Geschwister- oder Nachbarskindern umgesetzt haben, was sie in Pornos gelernt haben.“

Das, was Kinder und Jugendliche sehen, wird normal und imitiert. So berichtet die Therapeutin weiter, dass der Druck auf junge Mädchen und junge Frauen zugenommen hat, sich auf porno-normierte sexuelle Praktiken einzulassen. Und das, obwohl die Mädchen diese Praktiken zumeist als schmerzhaft oder erniedrigend erleben.

Die möglichen Folgen von Pornografiekonsum sind gravierend: Sexuelle Grenzverletzungen werden normalisiert. Freitag drängt darauf, die Langzeitfolgen ernst zu nehmen und fordert bessere Schutzmaßnahmen. Safersurfing setzt sich ebenfalls seit Jahren dafür ein, die Risiken von Pornografiekonsum – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen – klar aufzuzeigen. Hier sehen wir ganz klar sowohl gesellschaftlichen als auch politischen Handlungsbedarf.

Dein Kind ist gewollt oder ungewollt auf Pornografie gestoßen? Hilfreiche Tipps dazu findest du hier!

Tabea Freitag