Miteinander durch die Pubertät

Miteinander durch die Pubertät – Gelassener begleiten, weniger streiten, in Kontakt bleiben

‚Miteinander durch die Pubertät‘ ist Inke Hummels bekanntestes Werk zum Thema Halbwüchsigkeit und ein überaus praktisch orientiertes Büchlein. Die deutsche Pädagogin und Bloggerin möchte es uns Eltern therapeutisch ermöglichen, dass uns die schwierigste Erziehungsphase unserer Brut in erfreulicher, vielleicht sogar erquicklicher, Erinnerung bleibt. Das Werk ist 2020 im Humboldt Verlag erschienen.

„Eltern dürfen nicht an zu vielen Fronten gleichzeitig kämpfen“– ist nur einer von vielen Ratschlägen der Autorin Hummel. Inke Hummel kann auf eine beachtliche Erfahrung im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit zurückblicken. Obwohl sie noch jung ist, hat sie schon, als Bloggerin und Therapeutin, Eltern und Kindern viele Leitfäden zur besseren Bewältigung von Krisen beigesteuert. Die Aussage „Nirgends soll ein sofortiges gutes Umsetzen erwartet werden“ zeigt ebenfalls, dass Hummel weiß, wovon sie schreibt.

 

Nähe und Struktur im Alltag

Ihr Anliegen mit diesem Buch ist es, einerseits Struktur in den Alltag von Familien zu bekommen, andererseits auch diese Struktur mit Nähe und Einfachheit zu untermauern. „Miteinander durch die Pubertät“ spiegelt diese strukturierte Einfachheit durchaus wider. Mit dem annähernden „Du“ schafft Hummel besondere Offenheit zur Elternschaft, die in diesem – sehr übersichtlichen – Werk gute und weitsichtige Anleitungen finden kann. So fragt Inke Hummel, nach Erklärung und Erläuterung von praktischen Fallbeispielen jeden Leser, jede Leserin: „Was kannst du tun?“ Danach zählt sie Punkt für Punkt die Maßnahmen auf, die zielführend erscheinen. Zum Beispiel schreibt sie zum Thema „Vorbild sein“: „Eltern sollten echt und stimmig sein“, dies würde mit folgenden Punkten erreicht: „Fair mit anderen sein, verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol, sich nicht ausländerfeindlich, homophob zu äußern“, …etc.

 

Gefühlsstarke Kinder brauchen Gelassenheit

Sie schafft große Einfühlsamkeit bei den Lesern und gleichzeitig erzieht Inke Hummel zu einem freundlichen und sanften Familienstil. Ihre häufig verwendete Diktion sind die Begriffe „Selbstwert, Mitgefühl und Gefühlsstärke“. Wobei die „gefühlsstarken Kinder“ hierzulande eher unter dem Begriff „hochsensibel“ bekannt sind. Hummel möchte für diese Kinder eine Lanze brechen und sich dafür einsetzen, dass die gefühlsstarken Kinder nicht missverstanden werden und in ihrem ganzen Sein als reife Menschen wahrgenommen werden.

 

Praxisorientiertes Nachschlagewerk

„Miteinander durch die Pubertät“ kann durchaus als praktisch orientierter Ratgeber für genau jene hochsensiblen Kinder gelesen werden. Bei Inke Hummel findet die geplagte Elternschaft einen guten Plan, wie mit Gelassenheit – auch ein Kernwort dieses Buches – auf „Auswüchse“ bei jenen Kindern reagiert werden sollte. Ihre Ratschläge haben allerdings oft einen durchaus fast gewollten, patriarchalen, dominanten Unterton. Abgeschwächt durch das durchgehende „Du“, kann man hier aber freundschaftliche Untermauerung sehen. Der übersichtliche Elternratgeber liest sich leicht und dient hervorragend zum Nachschlagen bei Krisen aller Art im Umgang von Eltern mit ihren anspruchsvollen Jugendlichen. Wer sich nicht an der immer wieder ins politische kippenden liebevoll moralisierenden Schreibweise von Inke Hummel stört, findet hier wirklich passende Tipps und Tricks, um ein wertschätzendes, gutes Miteinander in der pubertären Familienwelt zu erreichen. Lies! und „Entspann dich!“, wie Inke Hummel sagt.

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Katharina Nepf