Männliche Superkräfte

Männliche Superkräfte

Du hast Superkräfte

Mit Jugendlichen über den Körper und seine Funktionen zu sprechen, ist – gerade im Bereich der Sexualität – für Eltern manchmal eine besondere Herausforderung. Es sind oft eher die Freunde der Jugendlichen, die Peergroups, mit denen Themen rund um Körper-Liebe-Sexualität besprochen werden. Unter Gleichaltrigen steht jedoch ein gegenseitiges Vergleichen im Vordergrund; das ständige Bemühen, von den anderen akzeptiert zu werden, „dazu zu gehören“, ist wichtig. Man will nur ja nicht anders sein als die anderen…

Spannend andererseits: auch wenn im echten Leben Normalität und das Bedürfnis, ja nicht aus der Masse herauszuragen, für viele Jugendliche extrem wichtig ist, haben gerade Burschen und junge Männer eine besondere Affinität zu Superhelden. Und das, ohne zu bedenken, wie genial, ja: geradezu superheldenhaft ihr eigener Körper funktioniert! Durch die hormonelle Umstellung in der Zeit der Pubertät könnte man die Teenies fast mit Heros vergleichen, die von einer neuen Kraft überrumpelt werden und – ähnlich wie Superman zu Beginn seiner Laufbahn – erst lernen müssen, damit richtig umzugehen.

Wichtig ist: Sexualität ist eine gute Kraft, die die Fähigkeit hat, bis dahin noch nicht Existentes hervorzurufen! Es kann ein neuer Mensch entstehen! Das geht weit über die Superkraft von Superman and friends hinaus.

Vielleicht kann dieser Anknüpfungspunkt ein Einstieg ins Gespräch mit dem eigenen Sohn sein?

Was passiert denn im Körper des Mannes?

Spermien, auch Samenzellen genannt, entstehen in den beiden Hoden des Mannes, genauer gesagt in den fächerartig angeordneten Samenkanälchen der Hoden. Ein gesunder Mann produziert täglich sagenhafte 100 Millionen Spermien! Weil dafür die Temperatur ca 2-4 ° C unter der Körpertemperatur sein muss, befinden sich die Hoden außerhalb des Körpers.

Die Samenzelle ist so klein, dass man sie mit freiem Auge nicht sehen kann, nur wenige Hundertstelmillimeter. So klein sie ist, besteht sie trotzdem aus 3 Teilen: Kopf, Mittelstück und Schwanz. Der Kopf ist quasi „The Brain“: Hier sind alle Erbinformationen (Chromosomen) im Zellkern enthalten. Jede einzelne Samenzelle enthält das gesamte Erbgut eines Mannes! Wie ein Mikrochip mit unglaublichem Speichervolumen. Durch eine Umhüllung aus Enzymen, die den Spermienkopf wie eine Mütze, bedeckt, kann die Samenzelle in die Eizelle eindringen – für „lebendige Ergebnisse“ muss das Spermium ja quasi mit dem Kopf durch die Wand J. Es ist übrigens auch die Samenzelle des Mannes, die bei einer Befruchtung der Eizelle bestimmt, ob das Baby ein Bub oder ein Mädchen ist.

Das Mittelstück stellt den Motor des Spermiums dar, der den Schwanz antreibt, so dass dieser beweglich ist und sich auf die Reise im Inneren des weiblichen Körpers auf die Suche nach der erhofften Eizelle machen kann.

Von der Produktion im Hoden bis zur „Auslieferung“ lagern die Spermien im Nebenhoden, wo sie heranreifen. Hier erlangen sie auch die Fähigkeit, sich selbst fortzubewegen. Es ist sozusagen das Trainingslager dieser kleinen Superhelden!

Das Abenteuer beginnt

Vom Nebenhoden bis zum Samenerguss geht die Reise über mehrere Etappen: Über den Samenleiter gelangt das Spermium – wohlgemerkt nicht allein, sondern mit vielen Millionen Mitstreitern im Wettrennen um die begehrte Eizelle – in die Bläschendrüse. Gestärkt mit einem „Powerdrink“, einem Sekret, das aus Traubenzucker und Vitamin C besteht und alkalisch ist – geht der Run der kaulquappenähnlichen Superhelden weiter an der Prostata vorbei. Hier bekommen sie den nächsten Powerdrink, der die Spermien weiter aktiviert. Da Urin und Samenzellen denselben Weg nach draußen benutzen und das zeitlich streng getrennt erfolgen soll, hat die Prostata noch eine weitere wichtige Funktion: Sie dient als Sicherheitsschleuse zwischen Urin und Samenflüssigkeit.

Beim Samenerguss, der durch den Orgasmus des Mannes ausgelöst wird, kommt eine milchig-weiße Flüssigkeit, Sperma aus der Harn-Samenröhre. Gelangen die Samenzellen zu einer befruchtungsfähigen Eizelle, kann nur die schnellste und beste, die Siegersamenzelle, in die Eizelle eindringen. Dabei trennt sich der Kopf vom Schwanz, der nun nicht mehr gebraucht wird. Jetzt gelangen die gesamten Erbanlagen, das heißt: ALLE Erbinformationen des Mannes, aus dem Zellkern des winzigen Kopfes in die Eizelle. Bei der Verschmelzung vereinen sich die Erbinformationen des Vaters somit mit den Erbinformationen der Mutter in der Eizelle, ein neuer Mensch entsteht mit ganz eigenen Erbinformationen und Anlagen.

Und wenn es nicht dazu kommt?

Kommt es zu keinem gewollten Samenerguss, findet eine Selbstregulation statt: Ab der Pubertät geht ohne aktives Zutun und Wachbewusstsein während des Schlafes der Samen durch einen unbewussten Orgasmus ab. Da dies hauptsächlich während eines Nachtschlafes vorkommt, wird auch von einem nächtlichen Samenerguss oder umgangssprachlich einem feuchten Traum gesprochen. Oft wird ein solch unwillkürlicher Samenerguss, der Pollution heißt, nur durch Flecken in der Bettbekleidung oder der Bettwäsche erkannt und ist ganz normal.

Da ein gesunder Mann immer fruchtbar ist und an keinen Zyklus gebunden ist, wie das bei der Frau der Fall ist, ist sein Samen auch immer zeugungsfähig. Das heißt: Ab dem ersten Samenerguss, der meist mit durchschnittlich 14 Jahren passiert, kann ein Junge Vater werden! Was für eine schöne Verantwortung ist es, mit diesen Kräften gut umzugehen.

Elisabeth Födermayr

Verheiratet seit 2003, vier Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren, Juristin, lebt in Wien.
Elisabeth Födermayr

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