Kinder die stark sind

Kinder stark machen

Kinder stark machen

Kinder stärkt man gegen Missbrauch, wenn es ihnen altersgerecht und im Rahmen des Schutzes der Familie, wo normalerweise Geborgenheit und Vertrauen besteht, ermöglicht wird, auch persönliche Themen anzusprechen. Selbstbewusste Kinder, die bejaht wurden, so wie sie sind, werden seltener zu Opfern als ängstliche Kinder. Das fängt bereits in Alltagssituationen an. Wenn ein Kind einen Pullover nicht anziehen möchte, weil er kratzt, sollten Eltern es nicht zwingen, diesen anzuziehen. Denn dann vermitteln sie ihm, dass seine Empfindung falsch ist. Kinder müssen spüren, dass sie klar vertreten dürfen, was sie wollen und was nicht, Sie sollen wissen, dass sie in ihrem Empfinden ernst genommen werden.

Parallel zur Körperwahrnehmung ist es wichtig, dass eine differenzierte Wahrnehmung von Gefühlen gerade auch bei Buben gefördert wird. Dies braucht Zeit für das persönliche Gespräch und auch für eine Sensibilisierung durch Wahrnehmungsübungen, die im Alltag integriert sein müssen. Wie gehe ein 6 bis 10-jähriges Kind mit seinen Gefühlen um – mit Freude und Trauer, mit guter und schlechter Laune, mit Begeisterung und Fadesse, mit Lust, Erregung sowie Beruhigung und Entspannung? Hier geschieht eine selbstverständliche Auseinandersetzung mit mir selbst als Mensch, der einen Körper und damit verbundenen Gefühle hat.

Grenzverletzungen vorbeugen

Um eventuellen Grenzverletzungen oder gar Missbrauch, überhaupt jeder Form von Gewalt rechtzeitig vorzubeugen, ist dem Kind ab der Grundschule in kindgemäßer Art mit einfachen Worten zu vermitteln, dass es Menschen gibt, die Kinder schlagen, sie sogar stehlen können oder sie an Stellen berühren wollen, wo man nur sich selbst für die Hygiene berührt.

Dem Kind soll selbstverständlich sein, dass jede übergriffige und auch jede für das Kind selbst als unangebracht empfundene Berührung – insbesondere jede Form der Gewalt (auch Drohungen) – von wem auch immer niemals und unter keinen Umständen geduldet werden muss. Das Kind soll darin bestärkt werden, im Fall des Falles unbedingt Hilfe zu suchen und dem Täter keine Möglichkeit zur Verheimlichung zu geben. Hin und wieder ist es gut, das Kind auch behutsam danach zu fragen, ob es unangenehme Erlebnisse beobachtet oder selbst erlebt hat, v.a. um die Achtsamkeit und Vorsicht vor möglicher Gewalt oder Missbrauch in Erinnerung zu rufen. Wichtig ist dabei jedoch immer ein einfühlsames Verhalten, damit das zerbrechliche Wesen und die Seele des Kindes nicht unnötig belastet wird.

Ein kindgerechtes Umfeld, das stark macht

Die bekannte Pädagogin Maria Montessori lebte zu Beginn des 20. Jahrhunderts und hat durch ihre revolutionäre Herangehensweise an die Kindererziehung die Sichtweise auf die Kindheit überhaupt verändert. Davor wurden Kinder lediglich wie kleine Erwachsene behandelt – Montessori schlug mit ihrem weltweit einzigartigen und ersten Erziehungsprogramm ein Konzept vor, das sich um das Kind drehte. Zentral ist dabei die Motivation des Kindes selbst, das durch die Unterstützung der Eltern Schritt für Schritt wachsen darf, dabei eigene Grenzen setzen lernt und stark wird.

Die 19 „Gebote“ der Maria Montessori für Eltern

  1. Kinder lernen aus dem was sie umgibt
  2. Wenn du ein Kind zu oft kritisierst lernt es, andere zu verurteilen
  3. Wenn du einem Kind viele Komplimente machst lernt es, das was andere tun anzuerkennen
  4. Wenn du dich einem Kind gegenüber abweisend verhältst, wird es auch sehr streitlustig sein
  5. Wenn du korrekt mit dem Kind umgehst, wird auch das Kind sich im Leben korrekt benehmen
  6. Wenn du ein Kind zu oft auslachst, wird es schüchtern und unsicher
  7. Wenn sich dein Kind bei dir sicher fühlt, lernt es anderen zu vertrauen
  8. Wenn du ein Kind zu oft verachtest, wird es mit Schuldgefühlen aufwachsen
  9. Wenn du ein Kind dazu ermutigst seine Gedanken zu äußern und das was es sagst ernst nimmst, wird es sein Selbstbewusstsein erhöhen
  10. Wenn du dich dem Kind entgegenkommend zeigst, wird er lernen geduldig zu sein
  11. Wenn du dein Kind in dem unterstützt was es denkt, wird es selbstsicher
  12. Wenn ein Kind in einer angenehmen Atmosphäre aufwächst, in der es sich nützlich und fähig fühlt, lernt es die Liebe zu erwidern
  13. Sprich niemals schlecht über dein Kind, weder in seiner Anwesenheit noch in seiner Abwesenheit
  14. Wenn du dich darauf konzentrierst nur gutes in Gegenwart eines Kindes zu tun, wird das Böse keinen Platz finden
  15. Höre immer dem zu, was dir ein Kind sagen will wenn es zu dir kommt. Ob es eine Frage, eine Antwort oder ein Wunsch ist
  16. Bring dem Kind Respekt entgegen, auch wenn es einen Fehler macht: So ist es wahrscheinlicher dass es die Lektion lernt
  17. Hilf deinem Kind wenn es nach Hilfe fragt und lass es alleine machen wenn deine Hilfe nicht gebraucht wird
  18. Erkläre dem Kind frühzeitig, wie die Dinge um es herum funktionieren. So hat es ein Gefühl der Kontrolle über seine Welt
  19. Zeig deinem Kind immer den besten Weg. Zeige ihm, dass es immer sein Bestes geben soll.

 

Elisabeth Födermayr

Verheiratet seit 2003, vier Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren, Juristin, lebt in Wien.
Elisabeth Födermayr

Letzte Artikel von Elisabeth Födermayr (Alle anzeigen)