Jugendliche und ihre Körper

Jugendliche und ihr Körper

Jugendliche und ihr Körper

Mit 14, 15 war mein Körper ein einziges Rätsel für mich: was passiert da? Warum fühlt sich das plötzlich anders an, ist das normal?

Ich war furchtbar gehemmt, alles war mir peinlich und bei meiner Freundin habe ich heimlich im „Bravo“ geblättert. Was ich dort gelesen habe, hat mich eher in Panik versetzt: „Was, DAS machen andere in meinem Alter?“

Ich hatte damals keine Ahnung, dass alle körperlichen Veränderungen komplett normal waren. Mit meinen Eltern darüber zu reden war unangenehm, meine Freundinnen wussten auch nicht viel mehr als ich und der Bio-Unterricht in der Schule war klinisch und unzureichend.

Für meine Kinder wünsche ich mir das ganz anders. Ich möchte, dass sie schon vor Beginn der Pubertät wissen, was in ihrem Körper passieren wird und vor allem: dass das nicht nur normal, sondern auch etwas Besonderes, eigentlich Wunderbares ist!

Pubertät – Faszinierende Veränderungen

Denn das ist es: zur Frau oder zum Mann zu werden ist ein ganz faszinierender Vorgang. Erst als erwachsene Frau wurde mir durch die Kenntnisse über die Natürliche Empfängnisregelung (NER) klar, dass mein Zyklus, mein Körper und meine Fruchtbarkeit etwas Natürliches und gleichzeitig Spannendes sind!

Oft werden wir bei unseren Vorträgen und Kursen von Eltern gefragt, wann denn der richtige Zeitpunkt ist um mit ihren Kindern über die biologischen Abläufe zu sprechen und ob und wann man auch bei Kindern NER ansprechen könne.

Für uns ist das ganz klar: immer! Junge Kinder fragen sowieso, wenn sie etwas wissen möchten, dann antworten wir ehrlich, aber nicht mehr als sie wissen wollen. Wenn Kinder in die Pubertät kommen, sollten sie aber Bescheid wissen und nicht vom Halbwissen Gleichaltriger oder durch das Internet „aufgeklärt“ werden. Uns ist auch wichtig, dass sie unsere Werte und Einstellungen klar kennen und vor diversen Filmen und Sexualpädagogikunterricht in der Schule genug Wissen über Sexualität, Partnerschaft und Liebe haben.

Warum aber diese genaue Beobachtung?

Ganz einfach:

  • Durch die Beobachtung verschiedener Symptome wie Zervixschleim, Stimmung und Gefühlslage, Ziehen im Bauch, Veränderung in der Brust… kennen Mädchen ihren Körper und können zuordnen, was da gerade geschieht.
  • Sie wissen zeitig um Anzeichen für fruchtbare und unfruchtbare Zeiten in einem Zyklus und können diesen Rhythmus im Zyklus beobachten und miterleben. Von dieser Übung profitieren später die erwachsenen Frauen!
  • Sie wissen, dass ein Zyklus einer natürlichen Schwankung unterliegt und dass der Mythos vom „28-Tage Zyklus“ nicht automatisch richtig ist! Die meisten jungen Frauen bemerken auch, dass Stress, ein ungesunder Lebensstil und herausfordernde Zeiten auch den Zyklus beeinflussen können.
  • Durch das Kennenlernen des Zyklus und der Vorgänge im eigenen Körper haben Mädchen und junge Frauen ein besseres Körpergefühl und dadurch mehr Selbstbewusstsein!
  • Fruchtbarkeit, der weibliche Zyklus und die Regelblutung sind noch immer mit Scham verbunden und werden als unangenehm, peinlich oder nervig empfunden – durch die NER merken Mädchen, dass das ganz normale Vorgänge sind und haben nicht nur Wissen darüber, sondern auch einen ganz natürlichen Zugang dazu!
  • Viele Mädchen bekommen automatisch die Pille verschrieben, sobald sie Regelschmerzen, Akne oder einen „unregelmäßigen“ Zyklus haben. Wir wissen, dass der Körper ca. 7 Jahre braucht bis sich der Zyklus wirklich eingespielt hat. Durch die Einnahme der Pille oder anderer hormonellen Verhütungsmethoden werden diese sieben Jahre nur unterbrochen und wenn die Verhütung abgesetzt wird, kommen alle Symptome wieder. Abgesehen von den medizinischen Nebenwirkungen ist es also unnötig, den Zyklus künstlich zu „regulieren“.

Wie kann ich meinen Kindern die NER näherbringen?

Wenn die NER von den Eltern gelebt wird, haben die Kinder meist schon etwas davon mitbekommen. Zumindest der Thermometer am Nachtkästchen oder das Buch sind ihnen schon aufgefallen und vielleicht haben sie auch schon etwas von den Aufzeichnungen bemerkt.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ist der einfachste Weg, die Kinder in einem ungestörten Moment zu fragen: Weißt du eigentlich, was in deinem Körper bald passiert? Was hast du denn über die Pubertät, über die Veränderungen bei Mädchen und Buben schon gehört? Habt ihr in der Schule schon darüber gesprochen, wie das mit dem Erwachsenwerden ist oder hast du wo anders etwas darüber gesehen oder gehört?

Tatsache ist, dass Kinder viel aufschnappen. Aussagen von älteren Schulkindern, unklare Begriffe oder Witze, sexuelle Handlungen in der Werbung oder im Fernsehen. Im Zeitalter der Smartphones hört man auch immer wieder von Volksschulkindern, die schon Kontakt mit Pornos haben.
Wichtig ist, dass Eltern genau zuhören und beobachten, wo Unklarheit oder Unangenehmes dabei ist. Sie sollen auch klar sagen: so stimmt das nicht. Oder: dieses Wort verwende ich nicht gern, denn es gibt viel wertschätzendere, schönere Begriffe dafür.

So genial spielt alles zusammen!

Sexualität ist ein wunderbares Geschenk! Wir sollten unseren Kindern unbedingt mitgeben, dass ihr Körper und ihre Fruchtbarkeit etwas Positives sind.
Da hilft die NER ungemein: schau, wie genial dein Körper geschaffen ist und wie alles funktioniert! Es ist faszinierend, wie alles zusammenspielt.

Wenn wir als Eltern – Mütter und Väter! – mit einfachen, klaren Worten den Ablauf des weiblichen Zyklus oder die Entstehung von Samenzellen erklären und unseren Kindern zutrauen, dass sie das auch verstehen, vermitteln wir nicht nur Wissen sondern erweitern auch unsere Gesprächsbasis. Es ist wichtig, dass wir als Eltern diese Art der „Aufklärung“, eigentlich die Erklärung der natürlichen Vorgänge übernehmen! Wir können nicht darauf vertrauen, dass dieses Wissen mit viel Liebe, Sorgfalt und Wertschätzung in der Schule oder im Freundeskreis weitergegeben wird.

Für Mädchen, auch schon vor dem Einsetzen der ersten Regelblutung, gibt es eine eigene „Jugendtabelle“ für Eintragungen. Zusätzlich zur normalen NER-Tabelle ist hier extra Platz für Stimmung und Gefühle. Diese Mädchen werden auch kaum von der „Regel“ überrascht, da sie ja den Zyklusablauf beobachten.

Und wie ist das bei den Burschen?

In erster Linie benötigen sie das gleiche Wissen wie Mädchen. Wenn wir wollen, dass aus unseren Söhnen respektvolle, wertschätzende Partner und Väter werden, sollte es ganz normal sein über die Fruchtbarkeit von Mann und Frau zu sprechen.
Denn gerade im Bereich der Sexualität ist Kommunikation das Um und Auf in einer Beziehung! Die NER wird auch der „partnerschaftliche Weg“ genannt, weil das Paar gemeinsam die Verantwortung trägt und miteinander entscheidet, ob gerade Kinderwunsch besteht oder nicht. Hier gehört ein großes Maß an Wertschätzung grundlegt und die Basis dafür ist das Wissen darüber.

Es braucht Zeit für die Entwicklung

Die NER ist allerdings für Jugendliche keine geeignete Verhütungsmethode! Wie schon erwähnt braucht der Hormonhaushalt einige Jahre, bis der Zyklus von jungen Mädchen stabil ist und so ausgewertet werden kann, dass eine Schwangerschaft verlässlich vermieden wird.
Daher ist es auch wichtig, mit Jugendlichen über die Möglichkeit einer Schwangerschaft zu sprechen – und darüber, dass es kein einziges Verhütungsmittel gibt, dass zu 100% eine Schwangerschaft verhindern kann. Nebenbei ist es sicher klug, auch über die Wirkweise und diverse Nebenwirkungen von Verhütungsmitteln zu sprechen, da oft im Unterricht nur die Anwendung erklärt wird.

Die NER ist eben keine „Verhütungsmethode“, sondern ein Lebensweg!
Gerade deshalb zahlt es sich aus, Jugendliche früh mit der NER vertraut zu machen!
Sie profitieren davon körperlich, haben mehr Selbstbewusstsein und Gelassenheit, kommen mit den Veränderungen besser zurecht und können sich selbst besser annehmen.

Für Interessierte an der NER bietet die Homepage www.iner.org grundlegende Informationen, einen Downloadbereich und ein Verzeichnis von BeraterInnen, Informationsveranstaltungen und Kursen im deutschsprachigen Raum!

Elisabeth Hackl

NER-Beraterin bei INER
Elisabeth Hackl lebt mit ihrem Mann, Kindern, Hunden und Hühnern in Niederösterreich. Sie ist begeisterter Familienmensch, Kindergarten- und Religionspädagogin, Referentin für Natürliche Empfängnisregelung sowie Teilzeit-Selbstversorgerin.
Elisabeth Hackl

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