kleiner Junge verwendet ein Smartphone

Internet im Kinderzimmer – wenn Kinder mit Pornos konfrontiert werden

Corona und die Zeit des digitalen Unterrichts hatte zur Konsequenz, dass auch jüngere Kinder von einem Tag auf den anderen verstärkt Zugang zu Computer und Internet hatten. Selbst in Familien, die bisher das Kinderzimmer weitgehend internetfrei zu halten versuchten, gehörte durch die Zeit der Umstellung in der Krise der Laptop am Kinderschreibtisch schlagartig zum Normalzustand.

Kinder werden dabei auf neuen Ebenen herausgefordert, aber auch in eine neue Selbstständigkeit geworfen. Das Erfordernis, anhand der Vorgaben und Aufgabenstellungen der Schule den Unterrichtsstoff selbstständig und teilweise auch durch eigenständige Medienrecherche zu erarbeiten, birgt auch Gefahren für Kinder: Mit ein paar unbedachten Klicks kann es passieren, dass die Kleinen auf Seiten landen, die zu viele und emotional ungeeignete Informationen für sie beinhalten. Diese Gefahr ist besonders dann gegeben, wenn aufgrund der Umstellung auf Homeoffice und Distance Learning erst neue technische Geräte angeschafft wurden und auf Installierung eines entsprechenden Kinderschutzes vergessen wurde.

Während Eltern im Nebenzimmer zwar anwesend, aber möglicherweise durch Arbeit im Homeoffice beschäftigt sind, bricht im Kinderzimmer ungeschützt durch die Tür des Internets eine Welt auf die Kinder herein, vor die man sie eigentlich noch fernhalten wollte.

 

Wie geht man als Eltern aber damit um, wenn man feststellt, dass Kinder mit pornografischen Inhalten konfrontiert worden sind?

 

  • Es ist wichtig, offen und ehrlich mit dem Kind zu sprechen, was vorgefallen ist. Ein Klima des Vertrauens ist die beste Basis dafür: Lass dein Kind jederzeit zu dir kommen, beantworte Fragen ehrlich und in gut verständlicher, kindgerechter Sprache. Aber achte darauf, dass keine unnötigen Details genannt werden, die das Kind erst recht verunsichern oder neugierig machen könnten.

 

  • Hilf dem Kind, in Selbstverantwortung hinein zu wachsen. Es geht nicht um starre Verbote, sondern darum, dem Kind ein Gespür zu vermitteln, dass es Dinge gibt, die nicht gut sind, auch wenn sie frei zugänglich sind. Manchmal genügt es, innerlich „nein!“ zu sagen – manchmal ist mehr Aufwand erforderlich. Das muss man lernen.

 

  • Thematisiere die Frage, ob Gruppenzwang der Grund für den Kontakt mit Pornos war. Vielleicht wollte das Kind vor Freunden gleichwertig, „cool“ oder ebenso wissend sein? Um Gruppendruck standhalten zu können, braucht es Mut – der auf vielen Gebieten trainiert werden kann. Eigene Empfindungen wahrnehmen zu lernen, anzusprechen und dann Grenzen zu setzen, auch ein notwendiges „Nein“ sagen zu lernen, ist ein Prozess.

 

  • Versuche heraus zu finden, was die Motivation des Kindes war, im Internet nach Pornos zu suchen. Oft ist schlicht Neugier der Grund. Vielleicht ist Zeit für ein Aufklärungsgespräch – gut gerüstet ist ein Kind weniger gefährdet, wenn es mit dem Internet konfrontiert ist. Vielleicht hat das Kind sogar selbst Ideen, wie man sich schützen könnte? Ein Kinderschutzprogramm zu installieren, ist jedenfalls empfehlenswert.

 

  • Es gibt es kein „richtiges“ Alter, um über Sexualität zu sprechen. Aufklärung geschieht im besten Fall im Alltag, in der Familie, altersgerecht und an die Bedürfnisse des jeweiligen Kindes angepasst. Intimität, Grenzen und persönliche Werte sind wichtig und müssen immer respektiert werden. Ein Kind, dem vermittelt und am besten auch so vorgelebt wird, dass Sexualität in Beziehung gelebt wird, eine Ausdrucksform von Liebe ist und in Treue zu einer Person gelebt wird, die respektiert und wertgeschätzt wird, spürt intuitiv, dass Pornografie ein Zerrbild, eine Lüge ist.
Elisabeth Födermayr