Was ist der Unterschied zwischen verhütungsorientierten Ansätzen und TeenSTAR

Das Anliegen, Teenagerschwangerschaften zu verhindern, stellt einen Ausgangspunkt für die TeenSTAR-Arbeit dar – für sich gesehen ist das ein gutes Recht und sehr vernünftig. Die Zugänge, wie man eine Schwangerschaft konkret verhindern will, sind aber sehr verschieden.

Häufig gibt es zwei Verhaltensmuster, wie manche Eltern (und Pädagogen) das Thema „Schwangerschaft“ behandeln: Entweder klammern sie es komplett aus und sprechen gar nicht darüber, oder aber sie ermöglichen den Jugendlichen den Zugang zu Verhütungsmitteln.

TeenSTAR geht hier einen Mittelweg. Es wird alles thematisiert, was Jugendliche rund um das Thema Sexualität bewegt. Das bedeutet erstens, dass auf Fragen eingegangen wird. Zweitens wollen wir ihnen lebensnahe helfen und sie zum Nachdenken anregen, was sie eigentlich mit ihrer Sexualität machen. Das bedeutet, sie sollen ihren eigenen Entwicklungsweg bedenken. Die eigene Sexualität, das heißt: ihr Mädchen- und ihr Burschsein, soll in ihre gesamte Persönlichkeit integriert werden. Aufgrund dieser Basis können sie ihr Verhalten und ihre Entscheidungen reflektieren. Gebe ich nur Verhütungsmittel, entfällt dieses Nachdenken und diese bewusste Reflexion. Nach dem Motto „Ich brauche mir jetzt keine Gedanken mehr machen, ich bin ja durch die Verhütung sicher und kann nicht schwanger werden“ übersehen Jugendliche die ganz konkrete Verantwortung, die aus ihren Handlungen erwächst.

TeenSTAR setzt genau bei diesem Aspekt des Nachdenkens über diese Verantwortung an:

„Was machst Du mit dieser ganz großen Kraft der Sexualität?“

Das Bewusstsein über die eigene Fruchtbarkeit nimmt dabei einen hohen Stellenwert ein. Wer erkennt und sich der ganz realen Möglichkeit, selbst Mutter oder Vater zu werden, bewusst ist – mit allen Konsequenzen, die das für das eigene Leben mit sich bringt – handelt reflektierter. Bei der reinen Gabe von Verhütungsmitteln entfällt oftmals dieses Bewusstsein, die Fruchtbarkeit hat gar keinen Stellenwert mehr, da sie ja vermeintlich entfällt. Die Frage: „Was passiert, wenn ich (trotzdem) Mutter oder Vater werde?“ wird komplett ausgeklammert.

Die Quintessenz der Philosophie von TeenSTAR ist: Jugendliche sollen auf einem gesunden Entwicklungsweg in eine freie, gesunde Entscheidung begleitet werden, wie sie mit ihrer Sexualität umgehen. Unserer Meinung nach ist die reine Verhütungsmentalität für das bewusste Hinterfragen der eigenen Handlungen hinderlich.

Helga Sebernik

Helga Sebernik

Pädagogin an Pflichtschulen und einer BHS, Teenstar Koordinatorin in Österreich
Helga Sebernik