Fitnesswahn

Gesundheit versus Keratin

Fitnesswahn: Jugendliche im Griff des Muskelkults

Die ‚Fitnesstempel‘ verzeichnen seit Corona regen Zulauf. Doch nicht nur Erwachsene wollen den Körper ‚shapen‘. Unter den pubertierenden Jungs ist der Fitnesswahn ausgebrochen. Aber warum?

Als mir Bekannte von dem Phänomen erzählten, dachte ich, es sei eine Übertreibung. „Naja“, sagte ich mir, „es ist doch gut, wenn sich die Jugend sportlich betätigt“. Die Rede ist davon, dass die Fitnessstudios voll sind, wie schon lange nicht mehr und der Trend dahingeht, dass immer mehr Teenager – besonders Buben – Mitgliedschaften buchen. Dann werden auch tatsächlich professionell ihre Muskeln gestählt. Lange galten Fitnessstudios, in unseren Breiten, als eine eigene, fast geschlossene, Welt. Doch der Trend zur Körperkultur durchzieht inzwischen ganze Bevölkerungsschichten, unabhängig von der Herkunft, den finanziellen Mitteln – und besonders die Gruppe der männlichen Teens. Seit Urzeiten wollten Menschen den Körper gesundhalten und die Schönheit und Ästhetik der Körper verfeinern. Die Griechische und die Römische Antike kommen uns hier schnell in den Sinn. Doch, hat diese neue Entwicklung andere Hintergründe?

Sportbegeisterung? Narzismus? Oder was sonst?

Die Gründe sind mannigfaltig. Körperkult, Identitätsfindung, und die neuen Massenmedien, die diesen Trend anheizen, sind einige der Gründe für die steigenden Zahlen bei Mitgliedschaften in Fitnessclubs. Und natürlich: Sport – in gesundem Ausmaß – ist wünschenswert. Zudem kann man sicherlich ein gewisses Gegenspiel zum allgemeinen Gendertrend feststellen. Buben, die um ihre Männlichkeit fürchten, die sich einer immer „männerfeindlicheren“ Gesinnung in unserem Kulturkreis ausgeliefert glauben, wollen einen Gegenpol setzen. Möglicherweise nicht umsonst haben, sogenannte ‚patriarchale Gesellschaften‘, derzeit Aufwind.

‚Wer nicht gendert, geht trainieren…?‘

Andererseits sind Jugendliche bekanntermaßen leicht beeinflussbar. Dies wurde immer schon ausgenutzt. Im Netz kursiert Alles, was verboten ist. Und auch Vieles, das nicht verboten ist, ist nicht unbedingt gut für die Entwicklung der Jugend. Doch, wer stark sein möchte, positioniert sich auch im Internet mittels Tiktok, Reels, Snaps in kraftvoller Weise und kann seine User bedienen. Kommunikation findet heute unter Teenagern hauptsächlich im Netz statt. Wie das deutsche Portal „Medien in die Schule“ schreibt, benutzen heute 99% der Jugendlichen Whatsapp, zwischen 67% und 88% dieser Altersgruppe nutzen verschiedene Messengerdienste, wie zB. Snapchat. Das ist besorgniserregend. Aber Fakt – und nicht mehr wegzudenken. Daher gilt: richtiger Umgang mit dem Medium und dessen Inhalt!

Gesundes Mittelmaß – vergiss es!

Das wirft natürlich Fragen auf: Was ist gesund, physisch und psychisch? Wie weit kann der Teenager gehen, wenn er ‚pumpt‘ – wie das Muskeltraining der Oberarme unter ‚Insidern‘ genannt wird? Im Allgemeinen raten Mediziner eher ab davon, zu früh damit zu beginnen, da die Knorpel noch nicht ausgereift sind. Zudem sollte altersgerecht mit dem Muskeltraining angefangen werden, so der Orthopäde Dr. Geronikolakis, um Abnützungen und Verletzungsneigungen zu reduzieren. „Jugendliche sind diesbezüglich keine kleinen Erwachsenen“, warnt Geronikolakis. Nach Verletzungen beeinflusse das richtige Ausmaß und das adäquate Training auch den Regenerationsprozess, so der Sportmediziner – und viele seiner Kollegen.

Vom Sport zur Sucht

Besonders bei Online-Werbung ist Vorsicht geboten: ‚Fitnesstempel‘ preisen ihre Trainings im Netz mit manipulativen Methoden an! Sie sprechen zwar selbst von Sucht. Die Seiten sind aber sichtlich gut aufgemacht und ziehen Teenager an wie Fliegen. Man muss sich allerdings eine Seite wie „gannikus.de“ ansehen und die „5 Anzeichen, dass dein Training zur Sucht wird“, um zu begreifen, dass es sich hier nicht nur um einen Lifestyle handelt, wie von allen Fitnessgurus beschworen. In Wahrheit handelt es sich um einen Kult. Das Wort Guru passt dann auch schon mal. Auf „gannikus.de“ wird das Verhalten des ‚Pumpers‘ beschrieben: wie sich seine Lebenseinstellungen ändern; wie der Tunnelblick entsteht; wie sich das Sozialverhalten des Süchtigen verändert. Nur, um am Ende zu schreiben: „Aber mal ehrlich, es gibt schlimmere Dinge, nach denen man süchtig sein kann,-)“

Schockiert?

Wenn nicht, so muss nachgelegt werden. Denn es handelt sich hier, wie bei allen Trends, die unsere Teens aushebeln, um quasireligiöse, fast sektenartige Gebilde. Das Problem ist, wie immer, die Dosis. Wenn unsere Jugend für rationale Argumente nicht mehr zugänglich ist – und das ist in der Pubertät schnell der Fall – so gilt es, vorsichtig zu sein! Dieser Trend ist real. Das Credo lautet hier: Gesundheit ja, Sucht nein!

Awakening soon…

Muskeltraining ist ein riesiger finanzieller Markt für Hormon-, Genom- und Nahrungsergänzungsmittel und er verändert die Menschen und ihre Umgebung genauso nachhaltig, wie die Genderwelle und KI auf der anderen Seite. All diese Strömungen haben massive Auswirkungen auf die Schöpfung. Und damit auf die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder. Dies sollten wir – besonders wir Eltern – im Auge behalten!

Katharina Nepf
Letzte Artikel von Katharina Nepf (Alle anzeigen)