Früchtchen

Oft überrumpeln uns Fragen der Kinder, die völlig unverblümt und ganz unerwartet gestellt werden. Dabei können gerade solche Momente zum Anlass genommen werden und es kann gut daran angeknüpft werden, um altersgemäß ins Gespräch zu kommen. Ein Beispiel:

„Mami, könnten Du und Papi wieder mal Sex haben – … oder wie das heißt? Das, was man machen muss, damit Kinder auf die Welt kommen können. Bitte, bitte!! Ich mag sooo gern noch eine Schwester haben… bitte, bitte!“ Unter Lachen erzählt mir meine Freundin von diesem Erlebnis mit ihrer kleinen Tochter, das sie doch etwas überrumpelt hat.

Das Mädchen ist fünf, im letzten Kindergartenjahr. Sehr aufgeweckt und neugierig. Und sie saugt wie ein Schwamm Informationen rund um sie auf, manchmal ganz offensichtlich mehr, als den Erwachsenen lieb ist. Ein echtes Früchtchen… Dieses aufgesogene Wissen wird schließlich zuerst ein paar Tage im Innersten gewälzt, mit dem bisher Erlebten und Gehörten abgeglichen und verarbeitet, bis es dann irgendwann mit eigenen Erkenntnissen vermischt in einem Schwall über ihre Lippen stolpert. Wie gut, dass diesmal zumindest kein Fremder daneben war, zeigt sich meine Freundin erleichtert…

Die Eltern-alles-fragen-dürfen

Dabei ist gerade dieses unverkrampfte „die Eltern-alles-fragen-dürfen“ das Beste, was Kindern passieren kann! Ganz prinzipiell, aber gerade auch im Bereich der Sexualerziehung. Diese Basis des Vertrauens ist fundamental, um auch in späteren Jahren im Gespräch zu bleiben, wenn schwierigere Themen das Herz belasten. Zu wissen, es hört mir jemand zu, dem ich ehrlich mein Herz öffnen kann, ist Gold wert. „Ich empfehle Dir, die Kleine noch vor dem Eintritt in die Schule richtig aufzuklären. Interessiert ist sie ja, wie man merkt – und was „Sache“ ist, sollte sie von Dir und Deinem Mann hören, in der Geborgenheit der Familie – nicht von anderen“, versuche ich meine Freundin zu ermutigen. Gleich merke ich, da renne ich offene Türen ein:

„Hab ich doch schon längst! Sie wollte vor einiger Zeit beim gemeinsamen Bad mit dem kleinen Bruder wissen, wieso er ein „Spatzi“ hat und sie nicht – und schon ergab eines das andere.“

Am besten in einfachen Worten

„Wie hast Du das gemacht?“, möchte ich neugierig wissen. „Also, angefangen hat das Ganze, weil sie beim Bruder am Penis herumgezupft hat, was dieser gar nicht wollte. Ich habe ihr dann erklärt, dass sie das nicht darf, weil das ja sein Schatz ist. So wie auch sie einen Schatz hat, der bei ihr – wie eben bei allen Mädchen und Frauen – als eine Tasche im Inneren verborgen ist. Diesen ganz persönlichen Schatz muss man behüten, da darf niemand einfach hin greifen oder gar Schmerz zufügen. Ein paar Tage später hat sie mich dann gefragt, wo denn eigentlich die Kinder herkommen. Dass sie im Bauch der Mutter wachsen, hat sie natürlich gewusst, da in der Bekanntschaft gerade ein paar Frauen schwanger sind und sie das Wachsen der Bäuche bemerkt hatte. Also habe ich sie an das Gespräch in der Badewanne und an den „Schatz“ von Männern und von Frauen erinnert und ergänzt: Wenn Erwachsene sich besonders liebhaben, dann umarmen sich die beiden auf eine besondere Weise, dabei legt der Mann mit seinem Penis seinen Samen in diese Tasche, in die Scheide der Frau. Und dann kann dort ein Baby wachsen. Das hat schon genügt, damit war sie zufrieden und ist wieder spielen gegangen. Sie kommt natürlich immer wieder auf Einzelheiten zurück, fragt etwas nach, das auch manchmal ziemlich direkt – aber ich sag ihr, was sie wissen möchte, so einfach wie möglich, ganz ehrlich und unverkrampft.
Vor Kurzem hat sie gemeint: ‚Mami, das ist lustig: der Mann gibt seinen Schatz der Frau und sie gibt ihm ihren Schatz – und dann kommt ein süßer Babyschatz!‘ Das hat die Kleine doch super verstanden, oder?“

Dem ist nichts hinzuzufügen, finde ich.

Elisabeth Födermayr
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