eine Familie beim Händehalten während eines Spaziergangs

Empathie – eine Basis für die Beziehungsfähigkeit

Quelle: nach Katja Seide, www.gewuenschtes-wunschkind.de

Welche Erziehungsfehler kann man vermeiden?

 

1. Die Menschen im Umfeld des Kindes zeigen keine echten Gefühle

Empathie und soziales Verhalten sind nicht automatisch angeboren. Das Gehirn eines Kleinkindes muss erst lernen, welche Gefühle es überhaupt gibt, welche Mimik und Gestik Menschen dann auch zeigen, wenn sie diese Gefühle haben. Dadurch wird auch abgespeichert, wie man adäquat auf diese Gefühle reagiert.  Deshalb ist es wichtig, als Erwachsene authentisch, aber immer auch angemessen zu reagieren, wenn in uns Gefühle aufwallen.

 

2. Die Eltern tun alles dafür, damit die Kinder keine Enttäuschung erleben müssen

Kinder müssen lernen, Rückschläge auszuhalten und zu überwinden, um daraus hinterher gestärkt herauszugehen. Grundlage für Resilienz, das ist die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen, sind Selbstwirksamkeit und soziale Resonanz. Erlebt ein Kind von klein auf, dass es Dinge selbst bewirken und schaffen kann, entwickelt es echtes Selbstbewusstsein. Fühlt das Kind, dass auch die Bindungspersonen ihm vertrauen, die Dinge trotz Schwierigkeiten zu meistern, verstärkt sich diese Wirkung. Es ist also wichtig, Kinder von Anfang an in kleinerem Maße scheitern zu lassen. Alle Hürden aus dem Weg eines Kindes zu räumen, ist kontraproduktiv, weil der Frust, etwas noch nicht zu schaffen, die innere Motivation ankurbelt, über sich selbst hinauszuwachsen.

 

3. Die Eltern bieten Ersatzbefriedigung statt echtem Trost an

Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen dem Trost durch Zuwendung und dem Trost durch Ablenkung. Bei echtem Trost fühlt sich der Mensch wahrhaftig erleichtert. Unechter Trost ist eine Ersatzbefriedigung – der Mensch braucht immer wieder mehr davon. Lernt das Kind von seinen Eltern, sich bei Schmerz mit „schönen Dingen“ abzulenken, erlernt das Gehirn keine Resilienz, sondern sich auf Ersatz zu stürzen: Essen, Trinken, Kaufen, Videospiele etc. Besser ist es, Kinder in den Arm zu nehmen und sie in ihrem Schmerz zu begleiten.

 

4. Die Eltern verhalten sich unberechenbar

Menschen haben ein Grundbedürfnis nach Struktur und Ordnung in ihrem Leben, Ungewissheit verursacht Stress. Das gilt auch für das Verhalten von Eltern: Es muss eine Struktur aufweisen, die für ein Kind entschlüsselbar ist, so dass es weiß, woran es ist und sich orientieren kann, ihm Verhaltenssicherheit gibt. Bei unberechenbarem Verhalten der Eltern kann ein Kind nicht gesund aufwachsen – es wird die Regeln für ein „normales“ Miteinander nicht verinnerlichen.

 

5. Die Eltern übergehen das „Nein“ der Kinder einfach

Es ist jedem klar, dass ein „Nein“ einer Frau beim Sex wirklich „Nein“ heißen sollte. Wir alle wollen unsere Kinder in diesem Sinne erziehen, dass wir die Grenzen des anderen respektieren. Aber wie viele Eltern bringen ihren Kindern unbewusst genau das Gegenteil bei? Denn was lernt denn ein Kind, das „Nein“ sagt und dann trotzdem tun muss, was die Eltern sagen? Es lernt, dass der Stärkere entscheidet, wann ein „Nein“ wirklich „Nein“ bedeutet. Das „Ich meine es doch nur gut mit dir!“ der Eltern ist nicht so weit entfernt vom „Du willst es doch auch!“ des Vergewaltigers.

 

Was ist das kindliche „Nein“ wert, wenn nicht einmal die engste, liebste Person auf der Welt darauf hört?

Selbstverständlich gibt es Situationen, in denen wir Eltern auch über die Neins unserer Kinder hinweggehen müssen. Eltern müssen und dürfen „beschützende Macht“ über unsere Kinder ausüben. Notfalls auch mittels körperlicher Überlegenheit. Aber wie oft kommen solche Situationen vor? Und wie oft übergehen wir das Nein unserer Kinder einfach aus Bequemlichkeit oder Zeitnot?

 

Fazit

Kinder müssen lernen, sich in andere hineinzuversetzen, sie brauchen Empathie, Liebe, Fürsorge, echten Trost. Sie müssen ab und zu auf die authentische Grenze eines anderen stoßen und dann dazu angehalten werden, diese einzuhalten. Denn durch Erlernen von Empathie wird eine Basis für Beziehungsfähigkeit gelegt.

 

Dieser Text ist eine Kurzfassung und im Original unter www.gewuenschtestes-wunschkind.de auf dem Blog „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn“ von Sonderpädagogin Katja Seide erschienen.

Elisabeth Födermayr