Lebensmittelmotte Sexualerziehung

Die lästige Lebensmittelmotte hat auch etwas Gutes

Gelegenheiten zur Sexualerziehung nützen

Auch lästige Ereignisse können ein perfekter Aufhänger für ein Aufklärungsgespräch sein.

Vor einiger Zeit haben wir uns lästige Lebensmittelmotten eingeschleppt. Im Kampf gegen den Befall erlebten die Kinder, dass ich – sobald wieder ein derartiges Tier durch die Wohnung segelte – im Küchenkasten auf Larveninspektion gegangen bin.

„Warum machst Du das?“ wollten meine beiden kleineren Töchter im Alter von 6 und 9 Jahren wissen, als ich zwischen Frühstück und Aufbruch zur Schule noch schnell ein befallenes Päckchen Mehl entsorgte.

„Die Motte fliegt ja herum, wieso wirfst Du die Sachen aus dem Küchenkasten weg?“

Die weitaus sympathischere Entwicklung von der Raupe zum Schmetterling kannten sie bereits, weniger angenehm war zu hören, dass Motten ihre Eier in unsere Lebensmittel legten, woraus dann Larven schlüpften, die sich zu Motten weiterentwickelten.

Für Eier braucht es ja eine zweite Motte!

„Aber für die Eier braucht es ja eine zweite Motte!“ bemerkte die ältere der beiden, die wir im Laufe der Zeit bereits Schritt für Schritt aufgeklärt hatten und die ihr Wissen nun auch gleich auf die Insektenwelt umlegte. Das Problem der Partnerwahl hatte eine potentielle Mottenmutter in unserer Küche damals wahrlich nicht und so plauderten wir etwas über die verschiedenen Entwicklungsstadien dieser ekligen Insekten.

Plötzlich blitzten die Augen meiner Tochter auf:

„Mami!! Aber…hast DUUU dann auch Eier???“

Die Vorstellung, dass auch ich, wie Hennen oder gar Motten, Eier legen könnte, amüsierte besonders die jüngere Tochter königlich…und sie erstarrte vor Überraschung, als ich erklärte, dass auch beim Menschen die Babies aus Eiern entstehen.

Schon ist man so ganz nebenbei mitten im Thema

Und schon waren wir mitten im Thema Aufklärung! Der Weg zur Schule war nun ganz ausgefüllt von ihren Fragen und ich konnte ihnen mit meinen Erklärungen so weiterhelfen:

Auch im Körper der Frau gibt es Eier, die schon beim ganz kleinen Babymädchen im Bauch der Mami angelegt werden. Bei der Geburt eines Mädchens gibt es über 400.000 unreife Eizellen in ihren Eierstöcken, die da noch unreifen Eizellen werden im Laufe des Lebens eine nach der anderen reif. Diese Eier sind so winzig klein, dass man sie mit Mühe gerade noch mit dem Auge erkennen kann. Ab dem Alter, wo Mädchen erwachsen werden, beginnt ein Kreislauf im Körper, der jeden Monat regelmäßig abläuft: Eine Eizelle bereitet sich vor, wird reif und wartet, ob ein Samen zur Befruchtung kommt. Diesen Samen gibt der Papi der Mami, wenn sie sich in einer besonderen Form ganz nahe kommen. Wenn das so geschieht in der Zeit, wo das reife Ei wartet, dann kann ein Baby entstehen, das im Bauch der Mama im Laufe von 40 Wochen gut beschützt groß werden kann. Wird dieses wartende Ei nicht befruchtet, dann wird der Platz im Bauch der Mami wieder neu hergerichtet für ein anderes Ei.

Eine Befruchtung wird wie ein lieber Gast vorbereitet

Das ähnelt ein bisschen der Situation eines erwarteten Besuchs, wenn ein lieber Gast, für den alles schön vorbereitet wurde, nun doch nicht gekommen ist. Deshalb zieht man die mittlerweile staubige Bettwäsche im Bett des Gästezimmers ab, wirft die verwelkten Blumen weg und lüftet alles gut durch, damit das Zimmer erneut wieder einladend schön, frisch, sauber, mit neuer Bettwäsche und frischen Blumen liebevoll hergerichtet werden kann. So ist immer alles optimal für diesen besonderen Gast vorbereitet.

Dieses nicht befruchtete Ei ist dann so wie diese Bettwäsche und die verwelkten Blumen: der Körper braucht dieses Ei nicht mehr und es kommt mit etwas Blut aus dem Körper der Frau heraus. Das ist manchmal mit etwas Bauchweh verbunden, dieser Prozess dauert auch ein paar Tage und geschieht ca einmal im Monat. Da für Kinder der Begriff „Blut“ immer untrennbar mit „Schmerz“ verbunden ist, versuche ich, diese Sorge noch besonders aufzufangen: Ich erkläre, dass dieses Bluten nichts Gefährliches sei, es zwar etwas unangenehm, aber nicht sehr schmerzhaft sei und man ganz sicher keine Angst davor zu haben brauche. Eine Wärmflasche oder ein Tee würden gut helfen und es gehe bald vorüber.

Wenn ein Mädchen mit ca 12 bis 14 Jahren während der Pubertät das erste Mal dieses Bluten bekommt, das man „Periode“, „Monatsblutung“ oder“Regel“ nennt, bedeutet das: ihr Körper bereitet sich ab jetzt monatlich darauf vor, einmal Mutter werden zu können!

Bei der Schule angelangt, war das Thema geklärt und beide Töchter waren so ganz nebenbei ein Stückchen mehr informiert. Danke, Lebensmittelmotte. Für irgendwas bist du ja doch gut.



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