Baustelle Erste Liebe

Mit Teenagern über Freundschaft, Liebe und Sexualität sprechen

Ute Horn und Winfried Hahn (dip3 Verlag)
Rezensiert von Elisabeth Födermayr

Baustelle Erste LiebeFür alles gibt es Ausbildungen, für alles muss man vorbereitet werden und gibt es Anleitungen – nur nicht dafür, wie man in Beziehungen lebt. Diese Situation war Ausgangslage und Motivation der Autoren, sich näher mit dem Thema Liebe, Sexualität und Freundschaft zu befassen.

Am Sprung ins Erwachsenenalter befinden sich Teenager in einer Zeit der Spannung und des Übergangs, stecken dabei jedoch noch gleichzeitig mit den Füßen in kindlichen Verhaltensmustern fest. Diese Zwiespältigkeit muss von Elternseite genauso wie von Seite des Jugendlichen ertragen werden, ein Zustand, der oft nicht leicht ist. Doch genau in dieser Zeit des Umbruchs, in der Pubertät, sind Eltern in ihrer Erziehungsrolle so wichtig für ihre Kinder. Durch Medien und Schule erscheinen Jugendliche sehr gut aufgeklärt, jedoch bei näherem Hinschauen und Nachfragen wird man doch überrascht, wie wenig tatsächlich verstanden wurde. Das Gespräch mit den Eltern ist daher durch nichts zu ersetzen!

„Was ist Verliebtsein? Wann ist es wahre Liebe? Worum geht es bei sexueller Liebe genau? Wie wichtig ist der Aspekt der freundschaftlichen und der selbstlosen Liebe für die Dauer und Tiefe einer Beziehung?“ Fragen wie diese beschäftigen insbesondere Teenager, die in einer Zeit der Suche und der Identitätsfindung vor der täglichen Herausforderung stehen, die nun intensiv aufkommenden eigenen Gefühle zu bewerten und richtig einzuordnen.

Positive und auch negative Ausbrüche bewältigen

Gerade im Hinblick auf den Umgang mit den überschäumenden Emotionen jeder Art sind Eltern nun gefragt. Es geht jetzt darum, positive und auch negative Ausbrüche zu bewältigen, mit übermütiger Freude gleichermaßen wie mit starker Wut richtig umzugehen, dabei die Kommunikationsfähigkeit sowie die Konfliktfähigkeit auszubauen und zu stärken. Anhand von Beispielen und Erläuterungen werden hier Hilfen und Anregungen, das Selbstbewusstsein zu stärken und notwendige Fähigkeiten der Konfliktbewältigung vorgestellt.

Gerade im Hinblick auf das andere Geschlecht sind die Erwartungen bei Teenagern geprägt von der Hoffnung auf das große Glück durch eine Liebesbeziehung. Nicht selten spielt bei der Bewertung der eigenen Sehnsüchte der Gruppendruck und vermeintliche Ansichten der Freunde eine bedeutende Rolle.

Das Buch analysiert die verschiedenen Arten und Stufen der Liebe, die sich dem Menschen als freundschaftliche Liebe, Verliebtsein, selbstlose Liebe und sexuelle Liebe präsentieren.

Der Leser wird anhand dieser Abstufung des oft verwendeten und dabei noch öfter missverstandenen Wortes „Liebe“ angeregt, das persönliche Ziel der Sexualerziehung zu hinterfragen. Dabei wird auch auf die verschiedenen Alternsstufen des Kindes eingegangen. Sehr eindrucksvoll ist das Beispiel des Dreiecks der Arten der Liebe, das nur auf der Basis der selbstlosen Liebe sicheren Stand hat – und eben nicht auf der Spitze, die das Gefühl der Verliebtheit darstellt.

Argumente der Jugendlichen werden aufgegriffen, die für eine vorzeitige, volle Auslebung der Sexualität plädieren. Anhand von Überlegungen, die den Wert der enthaltsamen Liebe und des gegenseitigen Kennenlernens in den Vordergrund stellen, werden Eltern unterstützt, ihre Kinder für die Aussicht auf eine treue, stabile Partnerschaft im Sakrament der Ehe zu gewinnen.

Die Würde des Partners im Zentrum

Themen wie Verhütung, Geschlechtskrankheiten und Einflüsse von Medien, insbesondere des Internets, werden in diesem Buch detailreich und umfassend behandelt, verschieden Aspekte werden angesprochen, die über den rein biologischen Zugang hinausreichen. Die Wichtigkeit des respektvollen und ernstnehmenden Gesprächs zwischen Eltern und ihren jugendlichen Kindern wird dabei immer wieder betont. In ganz konkreten Beispielen dargelegt steht dabei stets die Ehrfurcht vor dem Gegenüber, die Würde des Partners, im Zentrum.

Ein eigenes Kapitel wird dem Thema „Sich Zeit nehmen zum Gespräch“ gewidmet. Differenziert eingegangen wird hier auf unterschiedliche Gesprächskonstellationen zwischen Eltern und Kindern. Hilfreiche Tipps, wie beispielsweise ein Vater seinem Sohn einen wertschätzenden Umgang mit Mädchen ans Herz legen kann werden ergänzt durch Ideen für eine ganz allgemein gute Gesprächsbasis zwischen Vater und Sohn durch gemeinsam verbrachte Zeit.

Die Freude in Fülle

In einem eigenen Beitrag über die Aussagen der Bibel zu Freundschaft, Liebe und Sexualität wird in Kapitel 8 aufgezeigt, dass Gottes Geschenk der Liebe und Sexualität ein Geschenk der Fülle und Freude ist. Die Autoren zeigen anhand verschiedenster Bibelstellen auf, dass die Lehre der Bibel keine leib- und genussfeindliche Angelegenheit von Verklemmung und Verboten bedeutet. Im Gegenteil, Gott wolle für seine geliebten Kinder die Freude in Fülle, wie es schon das Hohelied der Liebe wunderbar verdeutlicht. Aber die Ausübung der Sexualität erfordere einen notwendigen Schutzrahmen, da nirgendwo sonst der Mensch sich so angreifbar einem anderen ausliefere. Der für die würdevolle Auslebung der vitalen Sexualität erforderliche Rahmen, die Ehe, sei notwendig. Erst im freien, gegenseitigen „Ja“ zueinander könne sich das faszinierende Geschehen menschlicher Sexualität eingebettet in einem gegenseitigen vollen Vertrauen entfalten.

Abgeschlossen wird das Buch mit einem Beitrag zum staatlichen Schutz der Kinder hinsichtlich gesetzlicher Regelungen und Erläuterungen sowie einem Fragenkatalog, der hilfreich im Gespräch mit Jugendlichen sein kann.

Elisabeth Födermayr