Sexualerziehung Basics

Basics einer guten Sexualerziehung

10 Tipps für die Sexualerziehung

  1. Sich der Verantwortung als Eltern bewusst sein

Als Eltern stehen wir unseren Kindern am nächsten. In der Familie erfahren die Kinder als erstes Geborgenheit und Liebe, hier wird ihr Urvertrauen begründet. Sexualität betrifft den persönlichsten Bereich eines Menschen. Deshalb haben Kinder das Recht, von denjenigen informiert zu werden, zu denen sie naturgemäß das größte Vertrauen haben.

  1. Eltern haben das Recht und die Pflicht, Ersterzieher ihrer Kinder zu sein

Es ist sogar gesetzlich geregelt, dass Dritte in die elterlichen Rechte nur insoweit eingreifen, als ihnen dies durch die Eltern selbst, unmittelbar auf Grund des Gesetzes oder durch eine behördliche Verfügung gestattet ist (§ 139 Abs 1 ABGB).

  1. Persönlich, denn jedes Kind ist anders

Jedes Kind ist anders, jedes Kind ist einzigartig. Wenn ich mit meinem Kind über die Liebe und deren tiefste und ausdruckstärkste Sprache, die Sexualität, sprechen möchte, so bemühe ich mich, auf die konkrete Situation meines Kindes bestmöglich einzugehen. In einem ruhigen Moment, in geborgener Umgebung und mit jedem Kind einzeln kann die jeweilige Eigenart und Aufnahmefähigkeit des Kindes am besten berücksichtigt werden.

  1. Auf Fragen ehrlich und altersgemäß eingehen

Eine Vermittlung von falschen Informationen, selbst mit noch so guten Absichten und als Abschirmung gedacht, schädigt das Vertrauen zwischen Eltern und Kind. Besser mit einfachen Worten und Schritt für Schritt die Fakten erklären als später ein falsches Informationsgebäude wieder niederzureißen. Auf Fragen des Kindes immer ehrlich, aber altersgemäß eingehen.

  1. Zeitgerecht – aber nicht voreilig

Es ist nicht sinnvoll, das Kind ungefiltert mit Informationen zu überladen, die es weder verstehen noch verarbeiten kann. Aufmerksames Mitdenken ist gefordert, welchen Eindrücken und Erlebnisse das Kind in Schule und Freizeit ausgesetzt ist. Hier proaktiv, aber behutsam und liebevoll führen. Insbesondere zu Schulbeginn empfiehlt es sich auch, die Schulbücher der Kinder auf sexualpädagogisch relevante Themen durchzusehen.

  1. Ein Kindergartenkind braucht andere Informationen als ein Teenager

Einem kleineren Kind kann man ohne zu vielen Details erklären, dass ein Baby im Bauch wächst, weil die Eltern sich liebhaben und dann ein Kind entstehen kann.  Ein Schulkind fragt nach dem wie und warum. Ein Teenager braucht für seine eigene Stabilität Wissen zu den Veränderungen im Körper und seiner Entwicklung als Frau oder Mann. In jeder Situation braucht es gute Antworten, um die verschiedenen ideologischen Informationen von außen bewerten zu können.

  1. Respektvolle Sprache verwenden

Es ist wichtig, mit welchen Worten gesprochen wird. Da hier der höchstpersönliche Bereich des Menschen betroffen ist, soll sich das auch in respektvoller Sprache ausdrücken. Es ist wichtig, die biologisch richtigen Bezeichnungen zu kennen und zu verwenden – unabhängig vom Alter. Selbst wenn es bei kleinen Kindern zusätzliche Bezeichnungen für die Geschlechtsorgane geben wird, ist es wichtig, dass auch die medizinisch korrekten Bezeichnungen bekannt sind.

  1. Ganzheitlich – Eingebettet in die gesamte Entwicklung des Kindes

Aufklärung findet nicht ein einziges Mal in „dem Gespräch“ statt. Aufklärung ist eingebettet in die gesamte Entwicklung eines Kindes, es beginnt bei der Erfahrung der körperlichen Nähe beim Stillen oder Fläschchen trinken, beim Kuscheln und bei jeder anderen Erfahrung der Liebe der Eltern. Die Erfahrung „ich bin geliebt, weil ich bin und so wie ich bin“ ist die Basis für jede Form der Erziehung, besonders auch der Sexualerziehung.

  1. Zur Verantwortung erziehend

Auch das Erfahren und Aushalten von Grenzen spielt hier eine Rolle: Ich bin nicht allein auf der Welt, ich trage Verantwortung, ich muss auch Rücksicht nehmen lernen. Die Erfahrung im Alltag eines Kindes: „Mein Handeln hat Konsequenzen, sowohl für mich als auch für andere“ ist manchmal unangenehm, aber sehr wichtig, um Verantwortung zu lernen und in seinen Entscheidungen frei zu werden.

  1. Wertorientiert

Werte wie Treue, Respekt, Hingabe, Selbstlosigkeit, auch Verzicht – das ist die Basis einer gelingenden, erfüllten Beziehung. Jede Erziehung, besonders aber die Sexualerziehung sollte also eingebettet in den Kontext der Vermittlung dieser Werte sein. Im Mittelpunkt steht dabei immer, den Kindern Rüstzeug für ein gutes, erfülltes Leben zu geben. Sie sollen sich zu liebesfähigen und bindungsfähigen Menschen entwickeln können.

 

Elisabeth Födermayr

Verheiratet seit 2003, vier Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren, Juristin, lebt in Wien.
Elisabeth Födermayr

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