Ich bin stark, ich sag laut Nein!

So werden Kinder selbstbewusst

Susa Apenrade und Miriam Cordes, Arena Verlag
Rezensiert von Elisabeth Födermayr

ich sag laut NeinEs gibt Situationen, in denen Lea sich nicht gut fühlt: Wenn Jan sie auf dem Spielplatz ärgert und ihren Schokoriegel einfordert, wenn die liebe Nachbarin sie fest an sich drücken möchte oder der Arbeitskollege von Papa möchte, dass sie sich auf seinen Schoß setzt. Was soll Lea tun? Einerseits weiß sie, dass diese Menschen etwas von ihr möchten und Lea will sie nicht traurig machen oder beleidigen. Andererseits möchte sie selbst diese Dinge aber eben nicht – wie soll sie damit richtig umgehen?

Kinder sind im Laufe ihres Alltags immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen sie zwischen ihren intuitiven Gefühlen und – vermeintlichen – Erwartungshaltungen Größerer oder auch Erwachsener hin und her gerissen werden. Manchmal handelt es sich nur um kleine, auf den ersten Blick unbedeutende Momente: Der Besuch einer lieben Tante, die ein Geschenk überreichen möchte mit dem Wunsch, zuerst dafür einen Kuss zu bekommen. Die Mutter einer neu gewonnenen Freundin, die das Kind am Spielplatz einlädt, mit nach Hause zu kommen, ohne dass die Mutter es weiß. Es kann aber auch Situationen geben, die dem Leser eindeutig ein unangenehmes Gefühl hervorrufen: der Arbeitskollege des Vaters, den das Kind kaum kennt und nicht mag, der jedoch immer möchte, dass es sich auf seinen Schoß setzen soll. Oder besonders die gefürchtete Situation, bei der ein offenkundig Fremder das Kind aus seinem geschützten Bereich durch allerlei Versprechungen und Verlockungen herausholen will, um ihm dann schaden zu können.

Wie reagiert hier ein Kind hier richtig? Wie kann es seinem eigenen Naturell gemäß handeln und auch als schüchternes Kind einer Gefahr entkommen? Wie lernt ein Kind, sich gegen ein dominantes Verhalten Größerer zu behaupten?

Durch bildhafte Erzählungen und ansprechende Zeichnungen wird das Kind beim Vorlesen Schritt für Schritt in die jeweilige Situation eingeführt. Mögliche Gedanken eines Kindes in einer solchen Lage werden aufgegriffen, verschiedenste Überlegungen Stück für Stück gemacht.

In einem weiteren Schritt wir das Kind aufgefordert, sich ganz konkret für eine Verhaltensmöglichkeit zu entscheiden: Ein Beispiel zur Verdeutlichung anhand der Situation mit dem Arbeitskollegen des Vaters, der Lea gern auf seinem Schoß hätte:

  • Soll Lea auf Onkel Meiers Schoß sitzen bleiben, weil man zu Gästen immer höflich sein muss?
  • Soll Lea nur eine Weile auf Onkel Meiers Schoß sitzen bleiben und dann sagen: „Ich geh jetzt spielen?“
  • Oder soll Lea sagen: „Nein, ich mag nicht auf deinem Schoß sitzen?“

Als Auflösung wird das Kind bei seiner gegebenen Antwort bestärkt, die es vermutlich intuitiv ganz richtig getroffen hat: „Die dritte Antwort ist die richtige, denn Lea muss bei niemandem auf dem Schoß sitzen, wenn sie das nicht mag.“

Besonders die Geschichte mit dem Fremden, der durch freundliche Verlockungen und Fotos von Tierbabies mit lieben Worten die im Garten spielenden Kinder vom Schutzbereich der Eltern weglocken will, ist für Kinder sehr wichtig, um sich im Alltag sicher zu wissen. Ohne dass die konkreten Ausformungen der möglichen Gefahr thematisiert werden, die für ein Kind unnötig belastend wären, wird einem möglichen Missbrauch durch Fremden Einhalt geboten. Es bietet sich auf dieser Basis auch die gute Möglichkeit, hier selbst anzuknüpfen und auf mögliche Gefahrensituationen im eigenen Umfeld hinzuweisen.

Ein sehr liebevoll aufbereitetes Buch, geeignet für Kinder ab dem Kindergartenalter, das hilft, dem eignen Gefühl zu vertrauen und richtig Grenzen zu setzen.

Elisabeth Födermayr

Elisabeth Födermayr

Verheiratet seit 2003, vier Kinder im Alter zwischen 5 und 12 Jahren, Juristin, lebt in Wien.
Elisabeth Födermayr