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Aufklärung kindgerecht

Wie sag ich’s meinem Kind?

„Erinnerst Du Dich an Deine Aufklärung? Wie wurdest Du als Kind von Deinen Eltern aufgeklärt?“ Wenn ich diese Frage den Teilnehmern meiner ElternBESTzeit stelle, antworten die meisten Eltern, dass sie nicht von den Eltern aufgeklärt wurden, dass das Thema Sexualität in den Familien verschwiegen und tabuisiert wurde. Nur ganz wenige konnten mit ihren Eltern über dieses intime Thema sprechen. Die meisten erfuhren das Wichtigste zu dem Thema aus einschlägigen Zeitschriften wie „Bravo“ oder von den Freunden oder aus dem Biologieunterricht. Kein Wunder also, dass sich die heutige Generation der Eltern so schwer mit der Sexualerziehung tut –  es fehlt uns an Vorbildern, an Erfahrungen aus unserer eigenen Kindheit. Meistens wissen wir, wie wir es nicht machen wollen.

Aber, wie sag ich’s meinem Kind?

Meinem Mann und mir ist es wichtig, dass wir mit diesem Thema immer offen und ehrlich umgehen. Wir wollen kein Tabu-Thema generieren und die Fragen unserer Kinder ernst nehmen, sie nach bestem Wissen und Gewissen beantworten. Auch wenn es anfangs für uns eher ungewohnt war über Sexualität zu sprechen (weil wir es auch in unserer Ursprungsfamilie nicht gelernt haben), wollten wir unseren Kindern keine G‘schichteln drucken, keine Wischi-Waschi-Antworten geben und auch nicht irgendwelche Ausflüchte suchen. Und zwar aus dem einzigen Grund: Wir wollen unseren Kindern die Wahrheit sagen!

Immer dann, wenn uns unser Kind zu dem Thema gefragt hat, haben wir ihm auf seine Fragen geantwortet. Oft kommt das Thema zur Sprache, wenn die Familie ein weiteres Kind erwartet. „Wie kommt denn das Baby in Deinen Bauch Mama?“ Oder „wie kommt das Baby da raus?“  sind typische Kinderfragen, die wir gestellt bekommen haben. Eine Mama erzählte mir, dass – als sie mit ihren Kindern (im Kindergartenalter) im Tiergarten war – sie zwei Seehunde beim Paaren beobachteten. Natürlich waren die Kinder ganz interessiert, was da die Seehunde machen und so war es eine gute Gelegenheit für ein erstes unbefangenes Gespräch.

Was aber, wenn mein Kind das Thema gar nicht interessiert?  Vielleicht bekommt jemand in meinem Umfeld ein Baby und so kann man als Eltern ganz harmlos ein Gespräch darüber beginnen. Oder man hilft sich mit Fachliteratur (siehe die beiden Büchertipps am Ende des Blogs) – das ist überhaupt ein guter Tipp, wenn man nicht weiß, wie man einem Kind den Sexualakt erklärt. Das Buch „Mama, Papa und ich“ beschreibt auf sehr kindgerechte Art und Weise, wie Mama und Papa gut zueinander passen und wie in einem Umfeld von Geborgenheit und Liebe ein Kind entstehen kann.  Eltern können also mit ihren Kindern ein Buch lesen und nachbesprechen, falls das Kind Fragen hat …. Unser Sohn hat einmal gefragt, ob Mama und Papa wirklich nackt im Bett schlafen. Und hier ist es wieder wichtig, dass wir ehrlich sind.

Noch vor dem Schuleintritt

Gut ist es, das Thema Sexualität noch vor dem Schuleintritt zu besprechen. Warum? Weil wir Eltern die Ersten sein wollen, die dieses Thema mit unserem Kind besprechen – es sollen nicht die Freunde und auch nicht der Lehrer das Thema der Sexualität zuerst aufgreifen. Wir Eltern möchten unsere Kinder vorprägen und ihnen vermitteln, dass Sexualität etwas Intimes ist, das in Liebe und Geborgenheit eingebettet ist, dass Sexualität etwas Schönes und Wertvolles ist, wenn sich Mann und Frau lieben und zueinander „Ja“ sagen.

Eine Volksschullehrerin erzählte mir wiederum, dass sie das Thema „Körper und Sexualität“ immer in der 3. Klasse Volksschule mit den Kindern besprochen hat. Dabei war sie sehr erstaunt, wie wenige Kinder etwas mit dem Thema anfangen konnten und wie wenige darüber bereits etwas gewusst haben. Als Lehrerin wurde sie dann meist zur Vertrauensperson der Kinder und die Kinder trauten sich Fragen zu stellen – Fragen, die eigentlich in der Familie besprochen hätten werden sollen. Die Familie soll der Ort sein, wo Kinder alle ihre Fragen stellen dürfen und wo wir Eltern ihnen ehrlich und kindgerecht antworten.

 

Büchertipps:

„Mama, Papa und ich. Wo kommen die kleinen Babys her?“ von Malcolm und Meryl Doney, Brunnen Verlag

„Hurra, wir bekommen ein Geschwisterchen“ von Klara und Maria Horvath, Tyrolia Verlag

 

Mag. Claudia Umschaden

Mag. Claudia Umschaden

Ich bin selbstständige Familientrainerin und unterstütze durch meine Workshops Eltern in der Erziehung ihrer Goldschätze. Ich selbst habe fünf Kinder im Alter von 14, 13, 8, 4 und 2 Jahren. Und ich merke, dass es nicht nur eine Redewendung ist, dass „jedes Kind anders ist“ – es ist wirklich so!Mit meinen Workshops möchte ich den Alltag der Familien entschleunigen und Eltern neue Sichtweisen und konkrete Tipps für ihr Familienleben mitgeben.
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